Buch 
Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
Entstehung
Seite
11
JPEG-Download
 

Die Griechen.

11

bis er seine Heimat Jthaka erreichte. Den trojanischen Krieg, wie die Irrfahrten desOdysseus hat der römische Dichter Homer in zwei Heldengedichten beschrieben, der Jliasund der Odyssee. Den trojanischen Krieg setzt man in die Zeit von 1194 1184 v. Chr.

Dorische Wanderung. Etwa um 1100 v. Chr. wanderte der Stamm derTarier von Norden nach Süden und eroberte die südlichste Halbinsel, den Peloponncs.Wer sich freiwillig unterwarf, behielt sein Eigentum und wurde zinspflichtig; werdagegen mit Gewalt unterworfen werden mußte, verlor seine persönliche Freiheit undwurde ein Helote. Auch den in Mittelgriechenland wohnenden Stamm der Jonierwollten sie unterjochen. Das Orakel von Delphi hatte verkündet, daß der Siegda sein werde, wo der König stete. Da rettete Kodrus, König von Athen, seinVaterland durch eine hochherzige Tat. Als Bauer verkleidet schlich er ins feindlicheLager, fing Händel an und wurde erschlagen. Kaum verbreitete unter den Tonernsich die Kunde, der König von Athen sei getötet, so brachen sie ihr Lager ab undzogen nach dem Peloponnes zurück. Die Kämpfe waren die Ursache, daß vieleGriechen auswanderten und auf den umliegenden Inseln wie auf dem FestlandeKleinasiens Niederlassungen gründeten.

Einheit Griechenlands. Nach der dorischen Wanderung schritten die Griechenin ihrer Gesittung rasch voran. An Stelle der seitherigen Stammesfürsten tratenweislich erwogene Verfassungen mit einer Obrigkeit, welche nach den Gesetzen die voll-ziehende Gewalt übte. Von jetzt an reiften die Griechen zu einer vielseitigen geistigenEntwicklung heran, so daß sie für alle Zeiten in Kunst und Wissenschaft als Lehrerder Menschheit gelten können. Wenn auch in viele selbständige Staatswesen ge-schieden, hielten doch einerlei Glauben und Sprache, gemeinsame Orakel und diealle vier Jahre gefeierten olympischen Spiele das Bewußtsein der nationalenZusammengehörigkeit ausrecht.

DaS Orakel zu Delphi war dem Apollo geweiht. In einer wilden Gebirgs-schlucht des Parnassus,.befand sich eine Höhle mit einer Erdspalte, aus der betäubendeGase ausströmte». Über diese Spalte wurde ein Dreifuß gestellt, auf dem die PriesteriniPythia), die für dieses Amt ausgewählt war, sich niederließ. Nach einiger Zeit gerietsie durch den Einfluß der aufsteigenden Gase in eine Art Verzückung und sprach dunkleund vieldeutige Worte, die von den Priestern zusammengestellt und ausgelegt wurden.Die Antworten waren im allgemeinen so wenig bestimmt, daß sie sich aus alle späterenEreignisse deuten ließen. (Krösus.) Das Orakel hatte großen Einfluß aus das Lebendes Einzelnen wie auf die Geschicke des ganzen griechischen Volkes. Nichts Wichtigeswurde unternommen, ohne daß man vorher das Orakel gefragt hätte. Zum Dankewurden dem Tempel Apollos reiche Geschenke dargebracht.

Die olympischen Spiele bestanden in Wettlauf, Ringen, Faustkampf, Springen,Werfen mit metallenen Scheiben, Pferde- und Wagenrennen. Rings um den Kampf-platz saßen unabsehbare Reihen von Zuschauern, die mit lautem Zuruf die Kämpferermunterten. Den Sieger lohnte unter dem Jubel des Volkes ein Kranz von Ölzweigen.Dieser Kranz galt als die höchste Ehre. Die olympischen Feste, die alle vier Jahreabgehalten wurden, hatten solche Bedeutung, daß die Griechen nachOlympiaden" ihreZeitrechnung bestimmten. Auf dem Isthmus (Landenge) von Korinth feierte man Poseidonzu Ehren die isthmi scheu Spiele (Jbykus).

Sparta. Lykurg. (880 v. Chr.) Spartas eigentümliche Größe wurde durchdie Gesetze des Lykurg gegründet. Er war der Bruder eines Königs und derVormund von dessen Sohn. Als solcher hatte er durch Redlichkeit und zweck-mäßige Anordnungen sich die allgemeine Achtung erworben. Durch ausgedehnteReisen hatte er reiche Erfahrungen gesammelt. Um den fortwährenden Zwist zwischenden beiden regierenden Königshäusern zu beseitigen, übertrugen ihm seine Mitbürgerdas Geschäft der Gesetzgebung. Lykurg erkannte, daß der Grund alles Elends derMenschen in ihrer Selbstsucht liege. Um dieser entgegenzuarbeiten, waren Gleich-heit des Eigentums und gänzliche Unterordnung des Einzelnen unterdas Gesamtwohl die Grundlagen seiner ganzen Gesetzgebung. Zuerst setzte erden Rat der Alten ein, der die Könige in der Regierung unterstützen sollte.Derselbe bestand aus 28 Mitgliedern, die wenigstens 60 Jahre alt sein mußten.