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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Bilder aus der alten Geschichte.

Nur eilt tadelloses Leben berechtigte zum Eintritt. Sodann wurde der gesamteGrundbesitz gleichmäßig unter die Bürger verteilt. Die Lose, zu derenBearbeitung eine Anzahl von Heloten gehörte, durften weder geteilt noch verkauftwerden, sondern blieben bei der Familie, die sie von Anfang erhalten hatte. AllerVerkehr mit Fremden, aller Luxus, aller Besitz von Gold und Silber warverboten. Nur eisernes Geld war zulässig. Der Schwelgerei wirkte Lykurg durchgemeinsame Mahlzeiten entgegen, zu denen jeder seinen Beitrag zu liefern hatteund an denen alle Männer teilnehmen mußten. Hauptgericht war eine schwarzeSuppe aus Schweinefleischbrühe. Blut und Essig. Der Erziehung der Jugendwendete Lykurg besondere Sorgfalt zu. Er betrachtete sämtliche Kinder als Eigen-tum des Staates. Kranke und schwächliche Kinder wurden ausgesetzt und demHungertode preisgegeben. Bis zum 7. Lebensjahre verblieben die gesundeil undkräftigen Kinder unter der Pflege ihrer Mütter, dann kamen sie in öffentliche Ge-bäude, wo sie unter strenger Aufsicht standen. Die Erziehung bezweckte Übung undAbhärtung des Körpers, Gewöhnung an Entbehrung und Ertragung von Schmerzen,Gehorsam gegen das Gesetz und Ehrerbietung gegen das Alter. Barfuß und leichtgekleidet gingen die Knaben einher. Sie schliefen auf harten Lagern von Binsenoder Schilf, die sie nur im Winter mit der Wolle der Disteln bestreuen dursten.Ohne Klage mußten sie Schmerzen erdulden, und es sollen Knaben unter denSchlägen einer Peitsche tot niedergesunken sein, ohne einen Laut hören zu lassen.Kurze und bestimmte Antworten (lakonische Rede) wurden besonders geschützt. Dievon der Jugend begonnenen Leibesübungen wurden durch das ganze Leben fort-gesetzt. Laufen, Ringen, Werfen und Fechten gehörten zu den regelmäßigen Tätig-keiten der Spartaner. Nebenbei gingen sie auf die Jagd. Den Ackerbau überließensie den Sklaven. Um Kunst und Wissenschaft kümmerten sie sich nicht; sie bliebenvielmehr roh in ihren Sitten. Ihr ganzes Leben war nur eine Vorübung für denKrieg. Darum zogen sie zur Schlacht wie zu einem Feste, niit Kränzen geschmückt,unter Gesang und Flötenspiel. Der Tod fürs Vaterland galt als höchste Ehre.Die Gefallenen bekränzte man mit Lorbeer, die Feigen und Flüchtigen traf Schmachfür ihr ganzes Leben.Mit dem Schild oder auf ihm!" rief eine spartanischeMutter ihren zur Schlacht ziehenden Söhnen zu. Ein so erzogenes Volk war wohlimstande, sein Vaterland gegen jeden -Feind zu verteidigen. Es konnte Mauern umseine Städte entbehren, denn es hatte die festesten Mauern, die Tapferkeit seiner Bürger.

Als Lykurg seine Gesetze vollendet hatte, ließ er seine Mitbürger schwören,dieselben bis zu seiner Rückkehr gewissenhaft halten zu wollen. Hieraus ging er infreiwillige Verbannung. Daniit aber auch sein Leichnam nicht zurückgebracht werdenkönne, befahl er vor seinem Tode, denselben zu verbrennen und die Asche ins Meerzu streuen. Tatsächlich hielten die Spartaner jahrhundertelang an den Einrichtungenfest, die Lykurg ihnen gegeben hatte. In einen: größeren Staatswesen wäre dieskaum möglich gewesen. Aber bei der geringen Ausdehnung Spartas, der Genüg-samkeit seiner Bewohner und den: fast vollständigen Abschluß von Nachbarländernkonnten in Sparta die einmal getroffenen Einrichtungen fortbestehen, bis sie sichüberlebt hatten.

Athen. Solon. (594 v. Chr.) Nachdem König Kodrus sich für die Un-abhängigkeit seines Vaterlandes geopfert hatte, war in Athen ein König nicht mehrvorhanden. Die Regierung besorgten Archonten, die anfangs aus Lebenszeit, späterauf ein Jähr gewählt wurden. Das Volk zerfiel in drei Stände, ungleich an Besitz,Macht und Einfluß. Dadurch entstanden gefährliche Unruhen. Um diesen zu steuern,beauftragte man den Archonten Drakon mit der Abfassung von Gesetzen. Aberdie von ihm verfaßten Gesetze waren so strenge, daß man sie nicht ausführen konnte.Man sagte, sie seien mit Blut geschrieben. Das Volk wandte deshalb sein Ver-trauen Solon zu, der dies wegen seiner Weisheit, Tugend und Erfahrung wohl verdiente.

Solon ging von dem Grundsätze aus, daß alle Bürger im wesentlichenvor dem Gesetze gleich sein müßten; doch sollten Rechte und Pflichten der Ein-