Die Römer. (Rom ein Kaiserreich.)
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der Bürgerkrieg. Nachdem die Verteidiger der Freiheit, Brutus uud Cassius, unter-legen waren, .teilten die Triumvirn das römische Reich. Mit List wußten zweiderselben den dritten seiner Macht zu berauben. Zuletzt blieben nur übrig: J uliusCäsar Oktavianus, der Neffe des großen I. Cäsar, und Antonius, dem dieLänder des Morgenlandes zugefallen waren. Da dieser in schmähliche Abhängigkeitvon der ägyptischen Königin Kleopatra sich begeben hatte, erklärte ihm der Senat ausBetreiben Oktavians den Krieg. Oktavianus besiegte ihn (31 v. Chr.) in einer großenSeeschlacht bei Aktium (an der Westküste Griechenlands). Oktavian war jetztAlleinherrscher und nannte sich Augustus, d. h. der Erhabene. Nach seinemgroßen Oheim legte er sich zugleich den Titel Cäsar bei, aus dem das Wort Kaiserentstanden ist. Die römische Republik hatte 480 Jahre bestanden.
Rom ein Kaiserreich. Kaiser Augustus, der durch Klugheit und Glück zurhöchsten Würde gelangt war, wußte diese durch Mäßigung und Beibehaltung derrepublikanischen Formen zu behaupten und zu befestigen. Zur Sicherheit für seinePerson gründete er eine Leibwache von 10000 Mann, deren Anführer nach dem
Kaiser die wichtigste Person des Reiches war. Dieübrigen Legionen standen zerstreut in den Provinzendes ausgedehnten Reiches*). Unter Augustus undseinen Nachfolgern erlangte das römische Reich seinegrößte Ausdehnung. Es umfaßte die schönsten Länderdreier Weltteile und erstreckte sich vorn Atlantischen-Ozean bis zum Euphrat, von der Donau bis zurSahara und dem oberen Nil. An Stelle der ver-heerenden Bürgerkriege waren Ordnung und Sicher-heit getreten. Die Stadt Rom wurde vergrößertund mit herrlichen Bauwerken geschmückt. Die Dicht-kunst blühte (Vergil, Ovid, Horaz u. a.) und dieWissenschaften fanden eifrige Pflege. Man nannte dieZeit des Augustus das goldene Zeitalter. Aber diealten Tugenden waren geschwunden. Aller äußereGlanz konnte das innere Verderben nicht aufhalten.Abscheuliche Laster herrschten in allen Ständen. Auchunter Augustus hörten die auswärtigen Kriege nicht auf.Sein Stiefsohn Drusus hatte längs des Rheines eineReihe von Kastellen angelegt, war dann über denStronr gegangen und bis zur Weser und Elbe vorge-drungen. Die Schlacht im Teutoburger Walde(9 n. Chr.) setzte dem ferneren Vordringen der Römerin Deutschland ein Ziel.
Das wichtigste Ereignis unter der Regierung des Kaisers Augustusist die Geburt Jesu Christi, des Weltheilandes, in dem StädtchenBethlehem.
Die unmittelbaren Nachfolger Oktavians waren grausame Tyrannen, von denenkeiner eines natürlichen Todes starb. Cajus Cäsar, mit dem Beinamen Caligula,war sogar wahnsinnig. Anders wäre sein Wunsch: „O, daß doch das ganzerömische Volk nur einen Hals hätte, damit es leichter hinzurichten wäre!" kaum zuverstehen. Er erhob sein Pferd zur Würde eines Konsuls und beanspruchte für sichgöttliche Ehren.
Christenverfolgungen. Kaiser Nero war der schrecklichste von allen. Ertötete seine eigene Mutter, seine Gattin, seinen Lehrer Seneca und Tausende der an-gesehensten Bürger. Um sich den Anblick einer brennenden Stadt zu verschaffen.
Kaiser Augustus.
9 Eine Legion zählte etwa 6099 Mann.