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Bilder aus der alten Geschichte.
ließ er Rom an mehreren Enden anzünden und ergötzte sich kindisch an dein ungeheurenFlammenmeer. Als das Volk über solche Frevel laut murrte, bezeichnete Nero dieharmlosen Christen als Urheber und verfolgte sie mit entsetzlicher Grausamkeit. Manzerriß sie mit glühenden Zangen, enthauptete und kreuzigte sie, nähte sie in Tierselleund warf sie den reißenden Tieren vor. Einige wurden mit Pech und Schwefelbestrichen, an Pfähle gebunden und in die kaiserlichen Gärten gestellt, um als Fackelndie dunkle Nacht zu erleuchten. Aus einem prächtigen Wagen fuhr dann Neroan ihnen vorüber und weidete sich an den Qualen der Unglücklichen. Auch die'Apostel Petrus und Paulus sollen unter diesem Tyrannen den Martyrertod erlittenhaben. Seine Würde vergaß er so sehr, daß er als Sänger und WettkämpferGriechenland durchzog und sich Beifall und reiche Ehrengeschenke erzwäng. Endlichwurde das Volk die Herrschaft des wahnsinnigen Tyrannen müde. Überall brachenEmpörungen aus. Nero floh deshalb aus Rom. In seiner Todesangst ließ er sichdurch einen Freigelassenen töten, indem er ausrief: „Welch ein Künstler stirbt inmir!" (68).
Unter Vespasian kam eine bessere Zeit. Doch wurden auch unter ihm dieChristen noch immer unmenschlich verfolgt. Von den unter seiner Regierung geführtenKriegen ist besonders wichtig der gegen die Juden. Schon unter Nero hatten diese sichempört, waren aber von Vespasian, der damals noch Feldherr war, bis auf die StadtJerusalem unterworfen worden. Nach seiner Erhebung zur Kaiserwürde überließ Ves-pasian die Vollendung des Werkes seinem Sohne Titus. Trotz schrecklicher Hungersnotwiesen die Belagerten die von Titus ihnen angebotene Gnade zurück. So wurde Jerusalemerobert und samt dem Tempel zerstört (70n.Chr.). über eine Million Juden waren durchHunger, Schwert und Seuchen umgekommen, der Rest wurde in alle Welt zerstreut.
Titus, der seinem Vater folgte (79—81), zeigte eine Selbstbeherrschung undHerzensgüte, die ihm den Namen „Wonne des Menschengeschlechts" erwarb. DerTag schien ihm verloren, an dem er niemand eine Wohltat erwiesen hatte. Unterseiner Regierung wurde!: durch einen gewaltigen Ausbruch des Vesuv die StädteStabilst'Herkulaneum und Pompeji verschüttet. Noch hundert Jahre nach Titusstand das römische Reich in großer äußerer Macht da. Einige Kaiser dehnten sogardie Grenzen noch weiter aus. Dann aber folgte die Zeit des Niedergangs. Es hingnur von dem Belieben der Soldaten ab, wer Kaiser sein sollte. Wer es verstand,denselben zu schmeicheln oder durch große Versprechungen ihre Gunst zu erwerben',den erhoben sie zur höchsten Würde, um ihn ebenso rasch wieder vom Throne zustoßen, wenn er ihren Erwartungen nicht entsprach. Zuweilen herrschten sogar mehrerezugleich.
Konstantin (306—337 n. Chr.) war der Sohn des Konstantin Chlorus,den Kaiser Diokletian zum Cäsar von Britannien, Gallien und Spanien ernannthatte, und der frommen Helena, einer Christin. Schon sein Vater behandelte dieChristen freundlich, und so kam es, daß auch Konstantin sich deni Christentum zu-wendete, die Christenverfolgungen verbot und den Christen den Eintritt in sein Heergestattete. Manche Legionen waren größtenteils aus Christen zusammengesetzt. Umdiese im Kampfe mit seinen: Nebenbuhler Maxcntius zu begeistern, versprach er, sichtaufen zu lassen. In der Tat erreichte er seinen Zweck. Die Taufe, von der erglaubte, daß sie ihn von allen Sünden reinigen werde, verschob er bis an seinLebensende. Eine Legende erzählt die Bekehrung Konstantins in der Weise, daß ihmeinst ein Kreuz aus glänzenden Lichtstrahlen erschienen sei mit der Aufschrift: „Indiesem Zeichen wirst du siegen!" Er ließ daraus eine Kreuzesfahne herstellen unddieselbe in allen Schlachten vorantragen. Das Christentum erhob er zur Staats-religion (312). Weil nun Konstantin dem Kreuz den Sieg über seinen GegnerMaxentius zu verdanken glaubte, beschloß er, an heiligen Orten des gelobten LandesKirchen bauen zn lassen, und unternahm zu diesem Zweck mit seiner Mutter eine Fahrtnach dem h. Lande. ^ Die prachtvolle Kirche, welche Helena über die Stelle des h.Grabes bauen ließ, steht noch heute. Den Sitz seiner Regierung verlegte Konstantin