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Bilder aus der deutschen Geschichte.
seine Wohnstädte an einem geeigneten Platz inmitten seines Besitztums. Man liebtedie Nachbarschaft einer klaren Quelle und den Schatten altehrwürdiger Eichen. DerHausrat war einfach und schmucklos, nur dem einfachen Bedürfnis entsprechend.Als Lager diente Schilf und Moos nnt einem Bärenfell belegt. Die Gefäße warenaus Ton und zeigten eine plumpe Form. Daneben hatte man Holzgefäße aus Ahornoder Eiche und geflochtene Körbe. Wenn man auch die Bearbeitung des Eisens kannte,so war doch die Zahl der daraus hergestellten Gegenstände äußerst gering. AlsWaffen dienten der Speer mit einer Spitze von Knochen, Feuerstein, später Bronzeund Eisen, die Keule, die Streitaxt von L-tein oder Eisen und ein Schild von Eichen-rinde oder Weidengeflecht, mit einer Tierhaut überzogen. Die Beschäftigung desMannes war Jagd, Fischfang, friedliche Waffenspiele und Krieg. Den Ackerbau unddie Pflege der Herden besorgten die Frauen mit den Knechten und Sklaven. Die
Germanische Krieger.
Frauen verstanden zu spinnen und zu weben und aus den Geweben die notwendigstenGewänder herzustellen. Der Erziehung der Jugend widmete man besondere Sorg-falt. Frühe schon wurden die Knaben abgehärtet und geübt im Laufen, Springenund Schwimmen. Den Gebrauch der Waffen lernten sie, indem sie den Vater aufseinen Jagdzügen begleiteten, oder in fröhlichem Waffenspiel. War der Jüngling er-wachsen, so wurde ihm in feierlicher Versammlung Schild und Speer gereicht, under galt dann als Mann. Die Mädchen halfen der Mutter in ihren Geschäften.Wortbruch und Untreue fand man bei unsern Vorfahren nicht. Ein Handschlag galtals Schwur. „Ein Wort ein Mann!" war allgemeines Gesetz. Die Ehe warheilig. Die Frau war nicht — wie bei den morgenländifchen Völkern — dieSklavin des Mannes, sondern dessen treue Gehilfin, die ihn mit Rat und Tat unter-stützte. An Festtagen liebte man es, die ganze Verwandtschaft um sich zu haben undreichlich zu bewirten. Auch dein Fremden gewährte man gerne Gastfreundschaft. DieFreiheit liebte der Deutsche über alles und war bereit, für dieselbe Hab und Gut, jaselbst das Leben zu opfern. Diesen Tugenden standen jedoch auch sehr bedenkliche