Die alten Deutschen.
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nach Byzanz, das nach ihm den Ramm Konstantinopel erhielt (330). Wennauchäußerlich ein Christ, so war doch Konstantin innerlich noch vielfach eine Heide ge-blieben. In Trier ließ er z. B. Kriegsgefangene von wilden Tieren zerfleischen, undseinen Sohn Crispus tötete er auf die falsche Anklage von dessen Stiefmutter. Alsspäter die Unschuld seines Sohnes zu Tage kam, ließ er die Anklägerin im Badeersticken.
Julian der Abtrünnige, der nach Konstantins Söhnen zur Regierung kam,versuchte zwar nochmals das Christentum, dessen inneren Wert er nicht erkannte, zuunterdrücken und das Heidentum wieder an dessen Stelle zu sehen, aber er starb nachkurzer Zeit, und sein Werk zerfiel.
Theodosins teilte kurz vor seinem Tode das Reich unter seine beiden SöhneArkadins und Honorius (395). Es gab jetzt ein weströmisches Reich mit derHauptstadt Rom und ein oströmischcs mit der Hauptstadt Konstantinopel.
Das weströmische Reich endete (476) damit, daß Odoaker, der Anführerder deutschen Söldnertruppe, den schwachen König Romulus Augustnlus entthronteund sich an dessen Stelle setzte.
Das oströmische Reich bestand länger, verlor aber mehr und mehr an Be-deutung und wurde 1453 eine Beute der Türken. Diese kamen aus Asien. Nachdemsie schon einzelne Teile des Reiches sich angeeignet hatten, belagerten sie in dem ge-nannten Jahre die Hauptstadt selber und eroberten sie nach 60tügigem Kampfe. Kon-stantinopel wurde nun die Hauptstadt des Sultans. Die prächtige Sophienkircheverwandelte nian in eine Moschee, indem man an Stelle des Kreuzes den Halbmondaufpflanzte.
II. Bilder aus der deutschen Geschichte.
1. Die atten Deutschen.
Das Land. Als unsere Vorfahren zum erstenmale in die Geschichte eintraten,sah unser Vaterland ganz anders aus als heute. Es war größtenteils mit dichtenWäldern bedeckt, und in den Niederungen dehnten sich unermeßliche Sümpfe aus.Infolgedessen war das Klima feucht, rauh und unwirtlich, und manche Pflanze, dieheute vortrefflich gedeiht, hätte damals nicht fortkommen können. In den Wäldernaber hausten Auerochsen, Elentiere, Bären, Wölfe, Luchse und allerlei anderes Wild.
Die Bewohner. Rauh wie das Land waren auch seine Bewohner. Sie warenvon hoher, kräftiger Gestalt, hatten eine weiße Hautfarbe, hellblondes Haar und blaue,lebhaft blitzende Augen. Die Kleidung bestand in einem leinenen Gewand. Gegendie Unbilden der Witterung schützte das Fell eines Tieres, das durch einen Dorn odereine Nadel von Metall am Halse zusammengehalten wurde. Im Kriege diente alsKopfbedeckung der Schädel eines Tieres, an dem noch die Hörner und die Ohrensaßen, was ihrem Träger ein furchterweckelches Ansehen gab. Zur Nahrung dientefelbsterlegtes Wildbret, das Fleisch der Haustiere, Fische, wildes Obst und Rüben.Gerste und Hafer, die man anbaute, wurden zwischen Steinen zerrieben und gewöhn-lich als Brei genossen. Als Getränk diente neben frischem Quellwasser die Milchder Haustiere; außerdem verstand man aus Gerste eine Art Bier und aus Honigund Wasser den Met zu bereiten. Die Wohnung war eine aus Baumstämmenerrichtete, mit Stroh oder Schilf gedeckte Hütte. Die Zwischenräume verstopfte manmit Rasen oder Moos und verklebte sie mit Ton. Der Boden bestand aus festge-stampftem Lehm. Durch einzelne Öffnungen drang das Sonnenlicht ins Innere undder Rauch des Herdfeuers, das zugleich den Raum erwärmte, nach außen. Die An-siedelungen lagen nicht zusammen. Jeder baute vielmehr, entfernt vom Nachbar,