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Bilder aus der deutschen Geschichte.
Hammer, den er im feurigen Blitze zur Erde schleudert, und der nach jedem Wurfein feine Hand zurückkehrt. An ihn erinnert der Donnerstag. Wie Donar der auf-brausende, stürmische Vorkämpfer der Götter, so ist Balder das Bild der sanften,lieblichen Anmut. Er ist so schöu von Anblick, daß ein leuchtender Glanz von ihmausgeht. Sein Gegensatz ist Loki, der Gott des verzehrenden Feuers. Ein weitererSohn Odins ist Tiu oder Ziu, der Gott des Krieges. In seiner Linken führter das ungeheure Schwert, Blut bezeichnet seinen Weg, und Seufzen und Stöhnenertönt hinter seinem Rücken. Den Göttern gegenüber und mit ihnen in Feindschaftund Kampf stehen die in den Bergen wohnenden Riesen. Zwischen Göttern undMenschen stehen ferner die Elfen oder Alfe, die sich in Licht- und Dunkelelfen unter-scheiden. Als Zwerge wohnen sie im Innern der Erde und schmieden kunstreichenSchmuck oder wunderbare, mit geheimen Kräften ausgestattete Waffen. Als Heinzel-männchen dienen sie den guten Menschen auf vielfache Art, als Kobolde necken undquälen sie die bösen. Die Elfen wohnen in der Luft, die Nixen im Wasser.
GotteSverehrung. Tempel hatten die Germanen für ihre Gottesverehrung nicht.Tacitus, ein Römer, sagt von ihnen: „Sie halten es der Hoheit der Himmlischen un-angemessen, sie in Wände einzuschließen und in Menschengestalt abzubilden. Sie weihenihnen Haine und heilige Bezirke." Der Gottesdienst bestand in Gebeten und Opfern.Man opferte Früchte, Rinder mit vergoldeten Hörnern, Schweine und Pferde. Wodanselber opferte man auch Menschen, namentlich Kriegsgefangene. Die Gottesverehrungfand nachts zur Zeit des Voll- und Neumondes statt. Die ganze Gemeinde kaman dem umfriedeten Opferplatz zusammen. Fremden war der Zutritt zu den heiligenStätten verboten. Die ganze Umgebung des Altars galt als heilig, und es wareine Auszeichnung, wenn Krieger in dessen Nähe zur letzten Ruhe gebettet wurden.Man verbrannte ihre Leichen, sammelte die Asche in eine Urne und setzte sie in einemErdhügel bei. Dergleichen Erdhügel findet man noch jetzt häufig in solchen Gegenden,die nicht durch den Ackerbau verändert worden sind. Sie sind unter dem Namen„Hünengräber" bekannt. Nicht zu verwechseln sind diese Gräber mit den Stein-gräbern, wie sie sich im norddeutschen Tiefland, z. B. in der Lünebnrger Heide, finden.Diese stammen, wie man vermutet, von Völkern, die vor den Germanen in Deutsch-land gewohnt haben. An vielen Orten hat man auch Reihengräber mit Beigabenvon Waffen, Geräten, Schmucksachen u. dgl. gefunden. Auch Gräber mit Skelettenin hockender Stellung sind vielfach aufgefunden worden. Die Priester waren dieHüter des göttlichen und menschlichen Gesetzes, sie wachten über die Ordnung bei allengemeinsamen Verrichtungen, bestraften als Diener des Kriegsgottes die Feigen undbrachten die Opfer an den großen Festtagen. Im -übrigen war jeder Freie der Priesterseines eigenen Hauses, und auch die Hausmutter konnte priesterliche Geschäfte verrichten.Die Priesterinnen weihten ihr Leben gewöhnlich ausschließlich den heiligen Geschäften.Ihnen kanr besonders die Weissagung zu, da ihnen nach dem Volksglauben die Götterihren Willen offenbarten. — Das Hauptfest war das Julfest. Es wurde um die Zeitdes christlichen Weihnachtsfestes gefeiert. Zwölf Tage — vom kürzesten Tage bis zumwiederzunehmenden Lichte — dauerten die festlichen Umzüge. Als Sinnbild der wieder-erwachenden Sonne wurden auf den Bergen Feuer angezündet und in den Häusernmit Lichtern und Opfergaben geschmückte Tannen aufgestellt. In ähnlicher Weise feierteman zur Zeit des wiedererwachenden Frühlings zur Ehre der Ostära das Osterfestund zur Zeit des längsten Tages das Fest der Sonnenwende. Noch heute erinnerndie Sonnenwendfeuer, welche man am Vorabend des Johannistages in manchen Ge-genden Deutschlands anzündet, an dieses Fest unserer Vorfahren. Die christliche Kircheverwandelte das Julfest in das Christfest und das Frühlingsfest in das Osterfest.
2. Kimbern und Teutonen.
Auszug aus der Heimat. Die ersten deutschen Stämme, von denen wir in derGeschichte erfahren, sind die Kimbern und Teutonen. Diese hatten 113 v. Chr. ihreWohnsitze auf der Halbinsel Jütland verlassen, um unter einem milderen Hinimel sich