Hermann der Cherusker.
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häuslich niederzulassen. Mit Weibern und Kindern, Schiff und Geschirr erschienen sieanr Norduser der Alpen. Die Römer sandten ihnen ein Heer entgegen, aber dasselbehielt nicht stand. Denn nie zuvor hatten die römischen Söldner einem so wildenVolke gegenübergestanden, nie ein solches Geschrei gehört als das, womit die Germanenden Angriff zu eröffnen pflegten. So durchzogen die Horden die Hochebene derheutigen Schweiz und drangen durch das Tor der Rhone in das südliche Frankreich.Hier wollten sie bleiben und verlangten Wohnsitze. Den Römern aber behagten solcheNachbarn nicht. Heer um Heer schickten sie ihnen entgegen, aber alle waren nachkurzer Zeit vernichtet. Ganz Rom geriet in Angst vor den nordischen Barbaren.
Untergang der Kimbern und Teutonen. Nur einen Feldherrn hatten dieRömer, der noch nicht geschlagen worden war, Marius. Glücklicherweise zogen jetztdie Barbaren zwei Jahre zwecklos hin und her, so daß die Römer Zeit gewannen zuneuen Rüstungen. Die Germanen gedachten die Römer in ihrem eignen Lande anzu-greifen. Die Teutonen wollten von Westen längs des Meeres, die Kimbern von Nordenüber die Alpen eindringen. Marius verschanzte sich in einem festen Lager an der Rhone.Vergebens forderten ihn die Teutonen täglich zum Kampfe heraus. Seine Soldatensollten sich erst an den Anblick dieser riesigen Gestalten und an ihr Geheul gewöhnen.Marius' Zurückhaltung als Furcht deutend, zogen sie endlich an ihm vorüber, umihren Marsch nach Italien fortzusetzen. Vorsichtig zog ihnen Marius nach. Er-er-reichte sie in: Rhonedelta bei Aix (ähs) und brachte ihnen eine entscheidende Niederlagebei (102 v. Chr.). Dabei wurde ihr Anführer Teutobod gefangen. Unterdessen warendie Kimbern über die Alpen gegangen und zogen im Tal der Etsch abwärts. Dasrömische Heer, das ihnen das Eindringen in Italien wehren sollte, war feig geflohen.In dieser Not zog Marius mit seinem siegreichen Heere heran. Er vereinigte diebeiden römischen Heere und überschritt den Po. Bei Vercellä (heute Vercelli) kam eszur Schlacht. Es war ein furchtbar heißer Tag. Die Kimbern, von der glühendenSonne geblendet, von dem aufwirbelnden Staub am Sehen gehindert und vomDurste gepeinigt, fingen an zu ermatten. Indem Marius diese Umstände geschicktbenutzte, bereitete er den Kimbern eine furchtbare Niederlage. Selbst die Weiber,als sie sahen, daß ihre Männer wichen, griffen die Römer an, entrissen ihnen Schwerterund Schilde und hörten erst auf, sich zu verteidigen, als sie erschöpft oder tödlich ver-wundet am Boden lagen. Man sah Frauen ihre Säuglinge und dann sich selbertöten, um nicht in die Hände der Römer zu fallen. Nur wenige Überlebende trafdas traurige Los der Gefangenschaft.
3. Hermann der Cherusker.
Die Römer in Deutschland. Von Gallien aus waren die Römer nach und nachbis an den Rhein vorgedrungen. Die Stiessöhne des Kaisers Augustus, Drusus undTiberius, eroberten Deutschland bis an die Donau, um ein Vordringen der Germanennach Italien zu verhindern. Dann unternahm Drusus einen Feldzug nach dem Nieder-rhein. Längs des Rheins legte er 50 Kastelle an und drang bis zur Elbe vor. Alser im Begriffe war, diesen Fluß zu überschreiten — so erzählt die Sage —, da tratihm ein Weib von übernatürlicher Größe entgegen und rief ihm warnend zu: „Wohinstrebst du Unersättlicher? Es ist dir nicht bestimmt, diese Länder zu sehen. Kehreum, denn du stehst am Ende deines Lebens!" Aus dem Rückzug stürzte Drususmit seinem Pferde und starb kurz daran an den Folgen dieses Sturzes in Mainz.Noch zeigt man daselbst sein Denkmal, den Eigelstein. Tiberius, der nach Drususden Oberbefehl in Deutschland übernahm, suchte die Deutschen durch milde Behand-lung an die römische Herrschaft zu gewöhnen. Er ließ Söhne germanischer Fürstenin Rom erziehen und übertrug ihnen dann Befehlshaberstellen im Heere. Unter diesenbefand sich auch Hermann (Arminius), der Sohn des cheruskischen Fürsten Sigmar.Aller Glanz der Hauptstadt, der ihn umgab, wie alle Gunstbeweise der Römer warennicht imstande, die Liebe zum Vaterland aus seinem Herzen zu reißen und den Haß