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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Bildw aus der deutschen Geschichte.

gegen seine-, Unterdrücker zu tilgen. Doch verstand er es, seine Gefühle tief in derBrust zu verschließen. Es konnte fast scheinen, als sei der unbändige Freiheitstriebder Germanen eingeschläfert, und sie hätten sich in die römische Herrschaft gesunden.Da ernannte der Kaiser den Varus, einen habgierigen und rücksichtslosen Mann, zumStatthalter von Germanien. Er war vorher in Syrien gewesen, und man sagte vonihm:Arm betrat er das reiche Syrien, und reich verließ er das arme Syrien".Auch Germanien gedachte er in ähnlicher Weise anszusaugen. Ein Schwärm vonBeamten, Schreibern, Zolleinnehmern nistete sich unter seiner Verwaltung ein undnützte die Unerfahrenheit des arglosen Naturvolkes aus. Daneben war Varus bemüht,römische Sprache und römische Rechtsprechung einzuführen. Ja, er ließ wegen unbe-deutender Vergehen freie deutsche Männer mit Ruten peitschen. Da erfüllte Zorn undScham die Herzen der freiheitsstolzen Männer.

Die Hermannsschlacht. Jetzt schien Hermann der rechte Zeitpunkt gekommen,um das römische Joch abzuschütteln. Er schloß mit einigen benachbarten Stämmeneinen Bund. Ein an der Eins wohnender Stamm mußte nach der Verabredung sich gegen die Römer erheben. Trotz der Warnung des treulosen Segest, desSchwiegervaters Armins, brach Varus mit drei erprobten Legionen aus, um die Ruhewiederherzustellen. Alis kürzeren Wegen kamen ihm die Verschworenen zuvor und riefen

die Bundesgenossen zum Kampfe auf. Der Wegführte durch den Tentoburger Wald. Nur mühsamvermochten die Scharen auf den schlechten Wegenund durch das dicht verwachsene Gehölz vorwärtszu kommen. Ein gräßliches Unwetter mit Sturmund Regen vermehrte noch die Beschwerden desMarsches. Plötzlich wurden die Römer von allenSeiten angegriffen. In jeder Bergschlncht, hinterjedem Baumstamme raschelte es von wohlbewaff-neten Deutschen. So zogen die Römer unterständigen Kämpfen zwei Tage dahin, endlich lichtetesich das Dickicht, aber nun erst sahen sie zu ihremSchrecken, daß die Zahl der Feinde sich fortwährendvergrößert hatte, während ihr Häuflein mehr undmehr zusammenschmolz. Da sank auch den Tapfer-sten der Mut. Varus stürzte sich in sein Schwert.Nur wenigen Römern gelang es, nach dem Rheinzu entkommen. Die übrigen wurden erschlagenoder gefangen. Das geschah im Jahr 9 n. Ehr.Als man dem Kaiser die Kunde von der Ver-nichtung seines stolzen Heeres überbrachte, stießer im Schmerze den Kops wider die Wand undrief verzweiflungsvoll aus:Varus, Varus, gibmir meine Legionen wieder!" Schon fürchteteman, die Germanen möchten jetzt ihren Siegeszugnach Italien fortsetzen. Aber sie begnügten sichmit der Vernichtung des römischen Heeres und der Zerstörung der römischen Zwing-burgen zwischen Rhein und Weser.

Germanikus. Auch unter der Regierung des Tiberius dauerten die Kriegemit den Germanen fort. Germanikus, Sohn des Drusus, unternahm noch drei Feld-züge in das rechtsrheinische Germanien. Er nahn: Thusnelda, Hermanns Gemahlin,gefangen und ließ sie nach Rom bringen. Im zweiten verheerte er das Land derEhatten und zerstörte ihren Hanptort Mattium (an der Eder). Er suchte die Stätteauf, wo Varus seinen Untergang gefunden hatte. Man sammelte die Überreste dergefallenen Römer, bedeckte sie mit Erde und warf einen Grabhügel auf. Auf seinemletzten Zuge war Germanikus zwar nicht besiegt, aber er hatte doch solche Verluste

- - : ^Hermanns - Denkmal.