Deutsche Völkerüündnissc. Die Völkerwanderung. 83
erlitten, daß er vorzog, den Rückzug anzutreten. Zwölf Jahre war Hermann derFührer des deutschen Volkes, da ermordete ihn ein Elender aus Neid. Seine treueGattin Thusnelda starb in der Gefangenschaft, und sein Sohn Thumelikus wurdeals Gladiator erzogen. Seit 1875 erhebt sich im Teutoburger Wald nahe bei Det-mold zu Ehren Hermanns des Befreiers ein stolzes Denkmal. Das Schwert trügtdie Inschrift: „Deutsche Einigkeit meine Stärke! Meine Stärke Deutschlands Macht."
4. Deutsche Mlkervündnrsse.
Die Deutschen, obgleich durch Religion, Sprache und Sitte ein Volk, warendoch in eine große Zahl kleiner Völkerschaften geschieden. Die erfolgreichen Kampfemit den Römern hatten ihnen gezeigt, daß Einigkeit stark mache. Wollten sie auf dieDauer ihre Freiheit und Selbständigkeit schützen, so mußten sie sich zu größeren Ver-einigungen zusammenschließen. So entstanden im Laufe des 3. Jahrhunderts folgendeVölkerbündnisse:
1. Die Sachsen. Sie wohnten in dem norddeutschen Flachlande zwischen demNiederrhein und der unteren Elbe. Ihren Namen erhielten sie von einem ihnen eigen-tümlichen kurzen Schwerte, dem Sahs.
2. Die Franken. Unter diesem Namen hatten sich die Völker im mittlerenDeutschland von Rhein bis zum Fichtelgebirg vereinigt. Ihr Name stammt wahr-scheinlich von einem L-treitkolben — Franka —, mit dem sie neben dem Speer be-waffnet waren.
3. Die Alemannen wohnten in der oberrheinischen Tiefebene und hattenauch die Gebirgslandschaften des Schwarzwaldes, Odenwaldes, Wasgenwaldes undHardtgebirges inne.
4. Die Goten bewohnten das weite Flachland zwischen den Karpathen undden Küsten des Schwarzen Meeres und schieden sich in die Ostgoten und Westgoten.Sie waren besonders empfänglich für mildere Sitten und hatten von sämtlichen deutschenStämmen zuerst das Christentum angenommen. Schon um die Mitte des 4. Jahr-hunderts übersetzte ihr Bischof Ulsilas (Wolf, Wels) die Heilige Schrift in die gotischeMundart. Ein Bruchstück dieser Übersetzung — von den silbernen Buchstaben desAnfangs der „silberne Codex" genannt — befindet sich in der Bibliothek zu Upsala.
5. Die WöMernmnderung. 375 — 568 .
Die Hunnen. Den Anstoß zu der gewaltigen Bewegung, die fast sämtlicheVölker Europas aus ihren ursprünglichen Wohnsitzen verdrängte, gaben die Hunnen,ein wildes Nomadenvolk, das 375 n. Chr. aus den Steppen Asiens nach Europavordrang.
Sie waren von gedrungenem, starkem Gliederbau, hatten hervorstehende Backen-knochen, schiefstehende Augen, eine gelbe Gesichtsfarbe und schwarzes, struppiges Haar. IhreKleider bestanden aus grobem, leinenem Zeug oder aus Fellen von kleinem Gewild. Sielebten von Wurzeln, Kräutern und dem Fleisch aller möglichen Tiere, das sie unter ihremSattel mürbe ritten. Zum Fnßkampfe waren sie untüchtig, dagegen schienen sie mit ihrenhäßlichen aber ausdauernden Pferden wie verwachsen. Aus der Ferne warfen sie ihreWurfspeere und Pfeile mit Knochenspitzen, im Handgemenge gebrauchten sie das Schwert.
Nachdem sie die Alanen (zwischen Don und Wolga) besiegt und znr Unter-werfung gezwungen hatten, bewältigten sie die Ostgoten. Deren greiser König Hermann-rich mochte den Untergang seines Reiches nicht überleben und stürzte sich in seinSchwert. Im Verein mit den unterjochten Völkern warfen sich die Hunnen sodannauf die Westgoten. Diesen, als Christen, hatte Kaiser Valens erlaubt, sich im Landesüdlich der Donau (dem heutigen Bulgarien, Rumelien rc.) niederzulassen. Als siehier unter der Habgier und Härte der kaiserlichen Beamten zu leiden hatten, griffensie zum Schwerte. Sie schlugen die römischen Legionen und plünderten die ganze
Geschichte. (Emil Noth in Gießen.) 3. Aufl. H 3