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Bilder aus der deutschen Geschichte.
Balkanhalbinsel. Nun zog der Kaiser selber gegen sie. wurde aber bei Adrianopelgeschlagen und verbrannte elend in einer Bauernhütte (378). Unter dem Kaiser Theo-dosius wurden die Westgoten gut behandelt und verhielten sich deshalb ruhig.
Alarich. Das Reich der Westgoten. Nach Theodosius' Tode erhoben sichdie Westgoten unter ihrem tapferen König Alarich. durchzogen plündernd die Balkan-halbinsel und fielen in Italien ein. Schon näherten sie sich der Stadt Rom. Eiligschickte man Gesandte an Alarich, um ihn zur Umkehr zu bewegen. Nur gegen Zahlungeiner ungeheuren Summe ließ er sich endlich bestimmen, die Stadt zu verschonen (409).Aber schon im folgenden Jahre kehrte er wieder, eroberte die Stadt und plünderte sieaus. 40 000 deutsche Sklaven erhielten dabei ihre Freiheit. Mit Beute beladen zoger nach Süditalien, um nach Sizilien und von da nach Afrika überzusetzen. Da er-eilte ihn der Tod im 34. Lebensjahre.
Die Goten waren untröstlich über den Verlust ihres verehrten Führers. Der Sagenach leiteten sie den Fluß Busento ab, gruben in dessen Bett ein Grab und versenktendahinein den Leichnam in voller Rüstung und zu Pferde sitzend. Dann deckten sie dasGrab mit Erde zu und leiteten das Wasser in sein altes Bett. Die Sklaven, die dabeigeholfen hatten, wurden getötet, damit niemand wisse, wo ihr großer König seine Ruhe-stätte gefunden habe. (Das „Grab im Busento" v. Platen.)
Alarichs Schwager und Nachfolger Athaulf (Adolf) gab den Zug nach Afrikaauf. Er führte das Volk infolge eines Vertrags mit Kaiser Honorius nach Süd-gallien. Hier gründete er das Westgotenreich mit der Hauptstadt Tolosa (Toulouse).Unter seinen Nachfolgern dehnten die Goten ihre Herrschaft auch über Spanien aus,indem sie die dort eingewanderten Sueven und Alanen sich unterwarfen. Hauptstadtwurde Toledo am Tajo. Dieses Reich bestand drei Jahrhunderte. 711 wurde esinfolge der Schlacht bei Xeres eine Beute der aus Afrika eingedrungenen Araber.
Attila. Das Hunnenreich. Inzwischen waren die Hunnen, die den Anstoßzu der ganzen Bewegung gegeben hatten, in den Ebenen Südrußlands und Ungarns,wo sie ausreichende Weiden für ihre Herden gefunden hatten, vorläufig zur Ruhe ge-kommen. Attila, ein gewaltiger Kriegsheld, der sich am liebsten Gottes Geißelnennen hörte, vereinigte 444 sämtliche hunnische Stämme unter seinem Zepter. Ineinem großen Dorf bei Tokaj an der Theiß hielt er ein glänzendes Hoflager. SeineBeamten und Heerführer wohnten in prächtigen Gemächern, aßen aus silbernen Schüsselnund schmückten sich mit Prachtgewändern. Attila selber dagegen lebte höchst einfach.Er aß und trank aus hölzernen Schalen und kleidete sich in Tierfelle wie die Mehr-zahl seines Volkes. Er faßte den Plan, alle Völker seinem Machtgebot zu unter-werfen und sein Reich bis an den Ozean auszudehnen. Mit einer halben MillionStreitern brach er auf, und zog donauauswärts. Er setzte über den Rhein, zerstörteWorms, die Hauptstadt der Burgunden, und kam bis an die Loire. Furcht und Schreckenzogen vor ihm her; Blut, Leichen, verheerte Felder und verbrannte S-tädte bezeichnetenseinen Weg.
Die Hmmcnschlacht. Nur ein Mann, der römische Feldherr Actius, der in einemTeil Galliens gebot, hatte den Mut, sich dem Schrecklichen entgegenzustellen. Schnellschloß er mit den Westgoten, Burgunoen und Franken ein Bündnis. 451 kam es beiChalons an der Marne zur Schlacht. Von früh morgens bis spät abends dauerteder erbitterte Kampf. Mehr als 160 000 Leichen deckten die Walstatt. So groß wardie Wut der Kämpsenden, erzählt die Sage, daß noch drei Tage lang die Geister derErschlagenen in der Luft miteinander kämpften. Auch Theodorich, der tapfere Führerder Westgoten, war unter den Toten. Attila gelang es, in seiner Wagenburg sich zuverschanzen. Um den Siegern nicht lebend in die Hände zu fallen, hatte er aus Sattelneinen Scheiterhaufen errichten lassen, um sich zu verbrennen, wenn es den Feinden ge-länge, in die Verschanzung einzudringen. Da ein erneuter Angriff nicht erfolgte, soentkam er mit dem Rest seines Heeres nach Ungarn. Immerhin war er noch so stark,daß er schon im folgenden Jahre in Italien einfallen konnte. Aquileja wurde zerstört. DieEinwohner flüchteten auf die Lagunen des Adriatischen Meeres und gaben damit Ver°