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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Die Völkerwanderung.

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anlassung zur Gründung der Stadt Venedig. Schon stand Attila im Begriff gegenRom zu ziehen, da veranlaßten ihn senchenartige Krankheiten in seinem Heer zurUmkehr. Kurze Zeit darauf (453) starb er, und sein Reich zerfiel.

Die Wandalen werden gewöhnlich zu den gotischen Völkern gerechnet. Unterihrem König Godegisel brachen sie aus ihren Wohnsitzen südlich der Donau aufund drangen vereint mit den Alanen und Sueven 406 in Gallien ein, das sie dreiJahre lang grauenhaft verwüsteten. Nachdem Godegisel in einer Schlacht gegen dieFranken gefallen war, führte dessen Sohn Gunderich sein Volk nach Spanien, dessensüdlicher Teil nach ihnen den Namen Andalusien erhalten haben soll. In Nordafrikagebot damals ein römischer Statthalter Bonisatius. Da dieser durch seine Gegner amrömischen Hof mit Amtsentsetznng bedroht war, so rief er die Wandalen zu Hilfe.Diese drangen 429 unter ihrem Führer Geiserich in Nordafrika ejn. Aber dieneuen Bundesgenossen hausten so barbarisch, daß man ihrer bald überdrüssig wurde.Bonisatius, der sich inzwischen mit dem römischen Hof ausgesöhnt hatte, gebot demGeiserich, Afrika wieder zu verlassen. Erbittert über diesen Treubruch verfuhr dieserjetzt als Feind und Eroberer. Er vertrieb den römischen Statthalter und gründeteein Reich mit der Hauptstadt Karthago. Von hier aus eroberten die VandalenSardinien, Korsika und einen Teil von Italien. Sie suchten raubend und plündernddie Küsten Italiens heim und beunruhigten als Seeräuber das ganze Mittelmeer.455 wurde auch Rom überfallen und geplündert. Die schonungslose Roheit, mit dersie hier alle Werke der Kunst zerstörten, hat zur BenennungWandalismus" fürsolche Frevel Anlaß gegeben. Hundert Jahre hatte das Vandalenreich in Afrika be-standen. Da wurde es von Belisar, dem Feldherrn des oströmischen Kaisers Ju-stinian, erobert. Mit Ketten beladen schritt Gelimer, der letzte König, im Triumphzugdes siegreichen Feldherrn (534). Von jetzt an verschwand der Name Vandalen voll-ständig aus der Geschichte.

Angeln und Sachsen. Britannien war in den Wirren der letzten Jahrzehntevon römischen Truppen fast vollständig entblößt. Dies veranlaßte die in den Ge-birgen Hochschottlands hausenden Pikten und Skaten zu räuberischen Einfällen. Diebedrängten Briten riefen in dieser Not die an der Nordseeküste wohnenden Angelnnnd Sachsen zu Hilfe. Unter ihren Anführern Hengist und Horsa landeten 449 Angeln,Sachsen, Friesen und Jüten in Britannien. Sie vertrieben die Pikten und Skaten,nahmen aber selber als Eroberer von dem Lande Besitz. Nur in Wales behauptetendie Briten ihre Freiheit. Von den Angeln erhielt das Land den Namen England.

Odoaker. In Rom nahm die Verwirrung zu. Eine Provinz nach der andernging verloren. Ein Schattenkaiser folgte dem andern. Zuletzt trug die Krone derjugendliche Romulus Augustulus, der Sohn eines Oberbefehlshabers. Trotzigverlangten die germanischen Söldner Erhöhung ihres Soldes und Einräumung einesTeils von Italien. Als man ihnen dies verweigerte, empörten sie sich. Odoaker,ihr Anführer, setzte den Kaiser ab und machte sich zum König von Italien. OhneWiderstand dankte Romulus Augustulus ab. Man gab ihm eine schöne Villa alsWohnsitz und einen Gnadengehalt (476). Dreizehn Jahre regierte Odoaker mitKlugheit und Gerechtigkeit, da wurde er von einem mächtigeren verdrängt.

Das Reich der Ostgoten. Die Ostgoten waren Verbündete der Hunnen ge-wesen. Nach Attilas Sturz ließen sie sich zwischen der Donau und dem AdriatischenMeere nieder. Ihr König Thkodomir schloß mit dem oströmischen Kaiser einen Ver-trag und überließ ihm seinen 7jährigen Sohn Theodorich als Geisel. Dieser erhieltin Konstantinopel eine vortreffliche Erziehung. Mit dem 18. Jahre wurde er König.Da ihn die von dem König Odoaker bedrängten Rugier zur Hilfe riefen, führteTheodorich seine Ostgoten mit Weib und Kind nach Italien. Odoaker eilte ihm ent-gegen, wurde aber in drei Schlachten besiegt und mußte sich in das feste Ravennazurückziehen. Nach dreijähriger Belagerung zwang ihn der Hunger zur Übergabe.Treulos wurde er von Theodorich bei einem Gelage ermordet. Theodorich regiertevon seiner Hauptstadt Ravenna aus mit Weisheit nnd Milde. Er überwies seinen