Das Frankcureich. Chlodwig.
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Persönlicher Dienste. Man nannte sie Hörige. Durch schlimme Zeiten, Krieg, Miß-jahre rc. nahm die Zahl der Hörigen zu, die der Freien ab. Man nannte diesesSystem das Feudalsystem, von Fe — Sold und Od — Gut. Im Laufe derZeit umfaßte dasselbe in verschiedenen Abstufungen (Leibeigene, Hörige, Vasallen,Ministerialen) sämtliche Angehörige des Volkes. Da nur freie Leute an den Volks-versammlungen (Bkaifelder) teilnehmen konnten, so kam diese Einrichtung in Verfall.An deren Stelle traten dann die sogenannten Reichsstünde, bei denen im Mittelälternur Adel und Geistlichkeit vertreten waren.
Aie Merowinger.
6. Das Arankenreich. Modwig (481—511).
Fränkische Stämme. Die meisten germanischen Völker hatten zur Zeit derVölkerwanderung ihre früheren Wohnsitze verlassen und sich anderwärts angesiedelt.Die Franken hatten sich vom Mittelrhein mehr rheinabwärts und von hier nach Westenausgebreitet. Sie zerfielen in drei Hauptstämme, die sich wieder in kleinere Stämmegliederten. Die salischen Franken wohnten im Rheindelta. Ihren Namen führtensie von der Jsala (Msel), die in den Zuydersee mündet. Die ripuarischen Frankend. i. Uferfranken wohnten von Köln aufwärts zu beiden Seiten des Rheins. DieObersranken, auch chattische Franken genannt, saßen zwischen Rhein, Lahn, Eder,Fulda und Main.
Chlodwig. Auch nach den: Untergang des weströmischen Reiches behauptete derrömische Statthalter Syagrius einen Teil von Gallien, namentlich das Land ander unteren Seine. Um diesen zu stürzen, fetzten sich die salischen Franken unterihrem König Chlodwig in Bewegung. Von seinem Vater Merowäus führte Chlod-wigs Geschlecht auch den Namen Merowinger. Er verstand es, die getrenntenStämme der Franken zu einen: Volke zu vereinigen und sich zum Alleinherrscher empor-zuschwingen. Zuerst besiegte er Syagrius (486), dann schlug er bei Zülpich (496)die Alemannen, welche nach dem Niederrhein vorzudringen suchten. Diese mußten ihrGebiet bis zum Neckar den Franken überlassen und waren ihnen zur Heerfolge ver-pflichtet. Später besiegte Chlodwig noch die Burgunder bei Dijon (500) und dieWestgoten bei Vougle (507). Er gründete hierauf, nachdem er alle seine Verwandtendurch Verrat und Hinterlist aus dem Wege geräumt hatte, das gewaltige Franken-reich mit der Hauptstadt Paris.
Chlodwigs Bekehrung. Chlodwigs Gemahlin Chlotilde, eine burgundische Königs-tochter, war Christin. Vergebens hatte sie sich bemüht, auch ihren Gemahl dem Christen-tum zu gewinnen. Als nun in der Schlacht bei Zülpich Chlodwig seine Reihen wankensah, rief er den Gott der Christen um Hilfe an. Er gelobte, sich taufen zu lassen,wenn er den Sieg erlange. Wirklich trat eine glückliche Wendung ein, und er erfochteinen glänzenden Sieg. Am Weihnachtsfeste 496 wurde er in Reims mit 3000 seinerFranken getauft. Nach der Sage habe eine Weiße Taube während der heiligen Hand-lung ein Fläschchen mit Öl von oben gebracht zu seiner Salbung. Bischof Remiguis,der die Taufe verrichtete, rief ihm zu: „Beuge dein Haupt in Demut, stolzer Sigambrer,verbrenne, was du angebetet, und bete an, was du verbrannt hast!" Vom Papste er-hielt Chlodwig wegen seiner Bekehrung den Titel „allerchristlichster" König, den vonda an sämtliche französische Könige führten. Äußerlich war Chlodwig zwar ein Christgeworden, aber innerlich blieb er, was er vorher gewesen, ein ungerechter, grausamerund heimtückischer Herrscher, dem nichts heilig war und der alles seinem unersättlichenEhrgeiz opferte.
Nach Chlodwigs Tode (511) teilten seine vier Söhne das Reich. Wie dasselbedurch List, Verrat und Gewalt entstanden war, so zeigt auch die fernere Geschichtedesselben eine ununterbrochene Reihe von Mord- und Schandtaten, Bruder- undBürgerkriege bis zum rühmlosen Ausgang der Merowinger.
Die Hausmeier. Chlodwigs Nachfolger versanken immer mehr in Genußsuchtund Trägheit. Statt ihrer regierte der oberste Beamte, der Hausmeier oder Major-