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Bilder aus der deutschen Geschichte.
domus. Die Hausmeier wäre» ursprünglich Aufseher der Diener und Verwalter derköniglichen Güter. Bei der Schwäche und Unfähigkeit ihrer Herren wurden sie jedochbald die wichtigsten Personen im Staate und verstanden es, alle Macht und allenEinfluß in ihrer Hand zu vereinigen. Pipin von Heristal machte um 700 dieseWürde in seiner Familie erblich. Seine Nachfolger waren zum Teil sehr tüchtigeMänner. Karl Martell d. i. der Hammer erwarb sich dadurch großen Ruhm, daßer 732 die Mauren bei Tours besiegte und damit dem Vordringen der Lehre Mo-hammeds in Europa ein Ziel setzte.
Mohammed, der Stifter der mohammedanischen Religion, wurde in Mekka inArabien geboren. Er entstammte einem angesehenen Geschlecht, dem die Obhut überdas Natioualheiligtum, die Kaaba*), anvertraut war. Als Kaufmann machte er weiteReisen und lernte Sitten und Gebräuche vieler Böller kennen. Nachdem er eine reicheWitwe geheiratet hatte, gab er die Handelsgeschäfte auf und zog sich in die Einsam-keit zurück. Hier erwachte in ihm der Gedanke, als Stifter einer neuen Religion auf-zutreten. Seine hauptsächlichsten Lehren sind: Es ist nur ein Gott, und Mohammedist sein Prophet. Beten führt auf halbem Wege zu Gott. Fasten bringt an den Ein-gang des Himmels. Almosengeben öffnet die Tür. Aber verdienstlicher ist es, dieneue Lehre durch das Schwert auszubreiten. Das führt ins Paradies. Das Paradiesund seine Freuden schildert er den Gläubigen mit den glühendsten Farben. JedemMenschen ist sein Geschick von Gott vorherbestimmt. Nichts läßt sich daran ändern.Darum gehe nur unverzagt in den Kampf. Wer fallen soll, der fällt auch fern vomKampfe, und wen Gott erhalten will, der bleibt leben, wenn er sich auch mitten in dieLanzen der Feinde stürzte. Mohammeds Lehren, der Islam, sind in einem Bucheaufgezeichnet, das der Koran heißt. In seiner Vaterstadt fand Mohammed anfangswenig Glauben. Seine eigenen Verwandten, die den Verlust ihrer Vorrechte befürch-teten, verfolgten ihn und seine Anhänger als Religionslästerer. Da flüchtete er nachMedina, wo er bald großen Anhang gewann. Diese Flucht, Hedschra, erscheint denMohammedanern so wichtig, daß sie von ihr an (622) ihre Zeitrechnung beginnen. Mit100000 Streitern kehrte Mohammed zurück, nahm Mekka ein und galt jetzt als geist-liches Oberhaupt. Nichts konnte der Tapferkeit seiner begeisterten Scharen widerstehen.Nach kurzer Zeit war ganz Arabien seiner Herrschaft und seiner Lehre unterworfen.Mohammed starb 632. Seine Nachfolger, die Kalifen, suchten die neue Lehre immerweiter auszubreiten. Sie eroberten Ägypten und die ganze Nordküste Afrikas. Vonhier drangen sie nach Spanien und unterwarfen es ihrer Herrschaft. Ihrem weiterenVordringen in Europa setzte der Sieg Karl Martells bei Tours ein Ziel.
Pipin der Kleine. Karl Martells Sohn war zrvar klein von Person, besaßaber ungemeine Körperstärke. Mit klugem Sinn und fester Hand lenkte er als könig-licher Hausmeier die Geschicke des Reiches, während nach dem schwachen König, dernur einmal jährlich auf einem von Ochsen gezogenen Wagen auf dem Maifeld erschien,niemand fragte. Was Pipins Vater noch nicht gewagt hatte, tat er: Mit einemkühnen Griffe nahm er von der Königskrone Besitz. Der Zustimmung seiner welt-lichen Großen war er gewiß. Aber der entscheidende Akt sollte auch nicht der Weihedes geistlichen Oberhauptes der Christenheit entbehren. Daher wandte er sich nachRom mit der Frage: „Wer soll König sein, der, welcher den Namen trägt, oder der,welcher regiert?" Die Antwort des Papstes Zacharias lautete ganz, wie Pipin gewünschtund vorausgesehen hatte; denn der Papst sah sich schon lange nach einem kräftigenBeschützer um und war überzeugt, ihn in dem Beherrscher der Franken gefunden zuhaben. Pipin ließ sich sofort von dem Adel und der Geistlichkeit als König derFranken huldigen. Seine Salbung soll durch Bonifatius, den Erzbischof vonMainz, erfolgt sein. Der letzte Merowinger, der unfähige Childerich III., wurde inein Kloster gesteckt, nachdem man ihm — als Zeichen des Mönchtums — sein langesHaar abgeschnitten hatte. Dem Papst gegenüber erwies Pipin sich dankbar. DerLongobardenkönig Aistulf strebte die Eroberung von ganz Italien an. Nachdem er dasExarchat Ravenna erobert hatte, bedrohte er auch den Papst in Rom. In seiner
*) Die Kaaba ist ein Raum, der den heiligen Meteorstein umschloß, den nach der Sage einst derErzengel Gabriel dem Stammbaler JSmael gebracht halte.