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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Bilder aus der deutschen Geschichte.

9. KoilMd I. (911919).

Deutschland wird ei« Wahlreich. Nach dem Tode des letzten Karolingersschien es, als ob das Deutsche Reich in lauter kleine Staaten sich auflösen wolle.Glücklicherweise war aber das von Karl dem Großen angeregte Gefühl der Zusammen-gehörigkeit unter den deutschen Stämmen noch nicht ganz erloschen. Deshalb kamendie Herzöge von Sachsen, Franken, Bayern und Schwaben in Forchheim zusammen,um wieder ein gemeinsames Reichsoberhaupt zu wählen. Lothringen hatte sich vorkurzem zu Frankreich geschlagen. Man dachte zuerst an Otto den Erlauchten vonSachsen, einen Mann von großer Weisheit. Dieser lehnte jedoch unter Hinweis aussein hohes Alter die ihm zugedachte Ehre ab und lenkte die Aufmerksamkeit auf denFrankenherzog Konrad, der wegen seines ritterlichen Sinnes und seiner Leutseligkeitallgemein beliebt war. Dieser wurde hierauf einhellig gewählt.

Konrads Regierung. Die Aufgaben, welche des neuen Königs harrten, warensehr schwierig. Die Fürsten hatten den Niedergang des königlichen Ansehens benutzt,um ihre Macht zu vermehren und sich von der Reichsgewalt unabhängig zu machen.Der König bemühte sich nun, das Ansehen des Reichsoberhauptes wieder herzustellen,und verlangte von den Fürsten Gehorsam. Aber er begegnete überall einem unbeug-samen Widerstand. Als er von dem Sachsenherzog Heinrich, der allzumüchtig ge-worden war, die Rückgabe eines Teils seiner Reichslehen verlangte, griff dieser zu denWaffen und behauptete sich gegen den König. Lothringen wieder zu dem Reichezurückzuführen, gelang ebensowenig. Der König mußte sich damit begnügen, in zweiKriegszügen das Elsaß wieder erlangt zu haben. Selbst gegen seinen eigenen Stief-sohn, den Bayernherzog Arnulf, mußte er zu Feld ziehen. Diese inneren Kämpfehinderten Konrad, den äußeren Feinden mit dem nötigen Nachdruck begegnen zu können.Von Jahr zu Jahr wiederholten deshalb die Ungarn und die Normannen ihre plün-dernden Einfülle. Nach siebenjährigen ständigen Kämpfen hatte Konrad trotz seinergelten Absichten noch nicht einen nennenswerten Erfolg errungen. Dies brach seineKraft vor der Zeit. Als er seinen Tod herannahen fühlte, ließ er seinen BruderEberhard und die Großen des Reichs an fein Bett treten und beschwor sie, dafürSorge zu tragen, daß fein Gegner, der tatkräftige Herzog Heinrich von Sachsen, zumKönig erwählt werde. Eberhard hielt sein Versprechen. Großmütig verzichtete er aufdas Königtum und überbrachte nach seines Bruders Ableben die Zeichen der könig-lichen Würde: Krone, Zepter, Schwert und Mantel an Heinrich von Sachsen. KurzeZeit darauf wurde Heinrich in Fritzlar.von den Sachsen und Franken als Königanerkannt.

Die sächsischen Kaiser.

. Keinrich I. (919936).

Der Fintier. Die Sage erzählt, daß Heinrich, als Herzog Eberhard mit denGroßen des Reiches vor ihm erschien, um die Botschaft seines Bruders auszurichten,bei Quedlinburg im Harz mit Finkenfang beschäftigt gewesen sei. Daher führt er inder Geschichte den Namen der Finkler. Bei Fritzlar hatten ihn nur die Sachsen undFrankeil als König anerkannt. Durch Klugheit lind freundliches Entgegenkommengewann er jedoch nach kurzer Zeit auch die Herzöge von Schwaben und Bayern.Sie erkannten ihn als König an und begnügten sich als dessen Lehensträger mit derherzoglichen Würde. Später brachte er auch Lothringen wieder an das Reich.Die von dem Erzbischof von Mainz ihm angebotene Saibling lehnte er ab, nanntesich aber König von Gottes Gnaden. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger gebrauchteHeinrich seine Macht mit Weisheit lind großer Mäßigung. Richt die Unterwerfungder deutschen Stämme unter das Machtgebot eines Einzigen war sein Streben. Erbegnügte sich vielmehr damit, daß die Herzöge ihm Treue lind Heerfolge gelobten, ließaber jeden Stamm in der Ordnung feiner eigenen Angelegenheiten volle Selbständig-