Heinrich I.
4S
keit. Er wollte im Lande der höchste Richter, der oberste Heerführer sein, die letzte.Zuflucht der Bedrängten, ein Schirmherr der Kirche und der Beschützer der Grenzengegen auswärtige Feinde.
Einfälle der Ungarn. Fünf Jahre hatte Heinrich regiert, als die Ungarneinen neuen Einfall wagten. In vielen einzelnen Reiterhaufen drangen sie ein. Wohinsie kamen, wurde alles verwüstet. Die Kirchen und Klöster wie die Wohnungen desLandmannes gingen in Flammen auf. Rauchwolken und nächtlicher Feuerschein be-zeichneten das Vorrücken des barbarischen Feindes. Mit dem schwachen und ungeübtenHeerbann und der dürftigen sächsischen Reiterei vermochte Heinrich einem solchen Gegnernicht zu widerstehen. Er schloß sich deshalb in einer festenBurg bei Goslar ein und wagte nur vereinzelte Ausfälle.Bei einer solchen Gelegenheit war er so glücklich, einen her-vorragenden Heerführer der Ungarn in seine Gewalt zubekommen. Gegen Freigabe desselben und die Bewilligungeines jährlichen Tributs gelang es ihm, mit den Ungarneinen neunjährigen Waffenstillstand abzuschließen. Diedeutschen Fürsten aber brachte er znr Überzeugung, daßvor allem Einigkeit nottue.
Gründung von Burgen und Städten. Diese Zeitder Ruhe benutzte Heinrich, um die Wehrkraft des Volkeszu erhöhen. Nach uralter Sitte wohnten damals dieSachsen aus einzelstehenden Höfen und in offenen Dörfern.Nur die königlichen Pfalzen, die Schlösser der Adeligenund viele Klöster waren umfriedet und boten einigen Schutz.Städte waren nur am Rhein und an der Donau vor-handen aus den Zeiten der Römer. Heinrichs Bestrebenging nun dahin, die vorhandenen festen Plätze zu er-weitern und an geeigneten Stellen neue anzulegen. Tagund Nacht wurde an den Grenzen gearbeitet, und baldstiegen zahlreiche mit Wällen und Gräben umringte Ort-Heinrich I. schaffen empor. Man nannte sie Burgen und ihre Be-
wohner Bürger. So entstanden Quedlinburg, Goslar, Merseburg, Meißen u. v. a.Dann befahl Heinrich, daß je der neunte Mann in die umfriedeten Räume ziehe,und der dritte Teil der Feldfrüchte dahin geschafft werde. Leibeigne, die in dieStädte zogen, wurden frei. Alle Gerichtstage, Volksversammlungen und Märktemußten innerhalb der Burgtore abgehalten werden. Handwerker siedelten sich in den-selben an. Da den Städten auch mancherlei Rechte und Freiheiten verliehen wurden,so füllten sie sich bald mit Bewohnern und erlangten ein Übergewicht über das offeneLand. Mit Recht führte deshalb Heinrich I. auch den Namen eines Städtegründers.
Verbesserung des Heeres. Gleiche Sorgfalt verwendete Heinrich auf die Ver-besserung des Heeres. Der Heerbann, der ganz in Vergessenheit geraten war, wurdeerneuert. Um die Ungarn in ihrer eigenen Weise bekämpfen zu können, bildete eraus Knechten und berittenen Dienstleuten ein Reiterheer, in das auch viele aus demHeerbann freiwillig eintraten. Zur Übung veranstaltete er Waffenspicle und Schein-kämpse, die Freude an dem Waffendienst erweckten und den gesunkenen Mut neu be-lebten. Aus dem früheren Volksheer entstand so ein Ritterherr, und die Waffenspiclebildeten sich im Laufe der Zeit zu den Turnieren aus, von denen wir später hörenwerden. Die erste Probe hatte das neugebildete Heer gegen die Heveller an derHavel zu bestehen, welche jahrelang die Grenzen beunruhigt hatten. Mitten im Winter,als das Eis eine feste Brücke bildete, rückte Heinrich vor ihre Hauptstadt Brennabor(Brandenburg) und zerstörte dieselbe. Ebenso besiegte er die Wenden und erobertealles Land zwischen Elbe und Oder. Bald war das sächsische Schwert überall ge-fürchtet. Als Heinrich deshalb mit den Bayern gegen Böhmen vordrang, versprachder Böhmenfürst Lehenspflicht und Gehorsam und entrichtete einen Tribut.