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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Bilder aus der deutschen Geschichte.

Sieg über die Ungarn. Mittlerweile war der Waffenstillstand mit den Ungarnabgelaufen. Schwer lag der Tribut auf dem sächsischen Volke. Sollte er noch längerentrichtet werden, mußte man Hand an das Eigentum der Kirche legen. Da beschloßHeinrich mit dem Schwerte die schimpflichen Bande zu sprengen. Wie die Sage er-zählt, habe man den Ungarn, als sie wiederkamen, um den Tribut einzufordern,einen räudigen Hund vorgeworfen. Wutentbrannt über diese Schmach durchzogen sieverheerend das thüringische Land. Aber Heinrich war ihnen jetzt gewachsen. Er brachteihnen bei Merseburg eine entscheidende Niederlage bei (933). In wilder Flucht suchtensie das Weite. Ihr reich gefülltes Lager wurde eine Beute der Sieger.

Gründung der Mark Schleswig. Im folgenden Jahre kämpfte Heinrich gegendie Dänen, welche das Land zwischen Schlei und Eider an sich gerissen hatten. Ernahm ihnen dasselbe wieder ab und gründete die Mark Schleswig. So waren auchim Norden die von Karl dem Großen dem Reiche gesteckten Grenzen wiederhergestellt.

Heinrichs Tod. Nachdem Heinrich so im Innern Ordnung geschafft und nachaußen das Ansehen des Reiches wiederhergestellt hatte, berief er die Großen des Reichsnach Erfurt und empfahl ihnen seinen Sohn Otto zum Nachfolger. Kurze Zeitdarauf starb er in Memleben und wurde in dem von ihm gegründeten Kloster zuQuedlinburg beigesetzt.

11. Htto der Kroße (936-973).

Krönung. Otto war ein würdiger Nachfolger seines Vaters, wenn er auchandere Wege ging als dieser. Seine Krönung zum deutschen König erfolgte in Aachen

durch den Erzbischof von Mainz. Hierbei verrichteten zumerstenmal die vornehmsten Fürsten die Arbeiten der ihnenübertragenen Ämter. Die Krönungsfeier leitete derHerzog von Lothringen als Reichskümmerer. DerHerzog von Franken sorgte als Truchseß für die Tafel;der Herzog von Schwaben versah das Schenkenamt,und der Herzog von Bayern traf als Marsch all Vor-sorge für die Ritter und deren Pferde.

Ottos Ziele. König Heinrich hatte sich mit derEhre begnügt, der erste unter den deutschen Fürsten zusein. Gewitzigt durch die schlimmen Erfahrungen seinesVorgängers, hatte er den Herzögen in der Verwaltungihrer Stammlande fast volle Selbständigkeit gewährt undes geschehen lassen, daß diese ihre Würden aus ihre Nach-folger vererbten. Anders Otto! Sein Vorbild warKarl der Große. Wie dieser erkannte er seine Aufgabe^ darin, die deutschen Stämme zu einem einheitlichen

« Reiche zu vereinigen, in welchem er unbeschränkt die

höchste Richter- und Herrschergewalt ausübte. Er be-trachtete deshalb die Herzogswürde als ein Reichsamt,das von ihm nach freier Entschließung vergeben werdenkönne. Die Reichscinkünfte, die unter der schwächlichenzum großen Teil verschleudert worden waren, suchte erZu diesen gehörten die Erträge der Kammer-

Otto der Große.

Regierung der Karolingerwieder zu sammeln und zu bewahren.

güter, Reichsforsten und Bergwerke, die Zölle und Gerichtsbnßen, sowie der Ertragdes Münzrechts.

Innere Kämpfe. Das Bestreben Ottos zur Erhöhung der königlichen Machtweckte allenthalben Unzufriedenheit. Namentlich betrachtete Eberhard von Frankendie wachsende Macht der Sachsen mit Eifersucht. Er war Otto gram, weil dieserihn wegen Bruchs des Landfriedens mit einer Strafe belegt hatte. Er verband sichdeshalb mit Thankmar, einem Stiefbruder Ottos, und beide erhoben die Fahne der