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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Bilder aus der deutschen Geschichte.

lenken. War er kräftiger geworden, so beteiligte er sich an den Knappenturnieren, umsich an die Rüstung zu gewöhnen, zu lernen fest im Sattel zu bleiben und seine Waffenzu gebrauchen. Mit dem einundzwanzigsten Lebensjahr war die Knappenzeit abgelaufen.Hatte der Jüngling dieselbe tadellos verbracht, so durfte ihm der Ritterschlag erteiltwerden. Durch diesen erlangte er endlich den Eintritt in den Ritterstand. Der Ritter-schlag konnte zwar von jedem Ritter erteilt werden; man suchte ihn jedoch möglichst vonder Hand eines berühmten Mannes oder eines Fürsten, am liebsten von dem Königoder Kaiser selber, zu erlangen. Der Ritterschlag geschah in feierlicher Weise, und zwarin der Regel in der Kirche. Nachdem der Knappe durch Fasten und Empfang desheiligen Abendmahls sich würdig vorbereitet hatte, kniete er vor dem Altar nieder undgelobte, stets die Wahrheit zu reden, das Recht zu verteidigen, die Kirche zu ehren,seinem Fürsten treu zu dienen, Witwen und Waisen zu beschützen und die Ungläubigenzu bekämpfen. Dann erhielt er von dem vornehmsten Ritter einen leichten Schlag mitdem Schwert aus die Schulter. Nachdem er sich erhoben hatte, bekleidete man ihn mitder Ritterbinde, dem Mantel und den Sporen, umgürtete ihn mit dem Ritterschwertund gab ihm den Schild in die Hand.

Die Ausrüstung eines Ritters bestand in folgendem: Ein eiserner Panzer deckteBrust und Rücken, ein eiserner Helm schützte das Haupt und ein bewegliches Visierdas Gesicht. Arme und Beine waren durch Schienen bedeckt. Auch Brust und Halsdes Pferdes schützte ein Panzer. Die Hauptwaffen waren Schwert und Lanze. AlsSchutzwaffe diente der Schild. Dieser war nicht selten mit kostbaren Steinen verziertund mit einer Zeichnung versehen, an der man den Ritter auch bei geschlossenem Visiererkannte. Man nannte dies sein Wappen. Gewöhnlich behielten die Nachkommendas einmal angenommene Wappen bei, und so wurde es zum Geschlechtswappen. DieGeschlechtsnamen entnahmen die Ritter von ihrem Geburtsort, ihrer Burg, ihrer Würde,zuweilen selbst ihren Gebrechen und Fehlern.

Die Wohnung des Ritters war die

Burg. Sie lag meist auf steiler Höhe,nicht selten aber auch in der Tiefe, vonSumpf und Wasser umgeben. Die Burgwar umschlossen von einem tiefen Graben,über den eine Zugbrücke führte, undstarken Mauern. In dem Burghof be-fanden sich die Ställe und Vorratsräume.Der Palas oder Saal war der Haupt-teil der Burg. Die Wohn- und Schlaf-räume (Kemnaten) boten wenig Bequemlich-keit. Von besonderer Wichtigkeit war derBrunnen. Auf steilen Burgen war er ge-wöhnlich in Felsen gehauen und sehr tief.Die Burg überragte ein fester Turm, derBergfried", auf dem eiu Wächter dieUmgegend überschaute und durch den Rufseines Hornes das Nahen des Freundesund Feindes verkündete.

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Der Bergsried hatte von unten keinenEingang, sondern war nur durch eineLeiter zugänglich. Er diente, wenn derFeind schon in die Burg eingedrungenwar, den Burgbewohnern als letzter Zu-

Burg.

fluchtsort. Sie zogen die Leiter zu sich in den mit Speise und Trank wohlversehenenTurm und trotzten so noch wochenlang dem Feinde.

Der Bergfried diente auch als Kerker. In seiner Tiefe befand sich nämlich eindunkler Raum, dasBurgverließ". In dieses verbrachte manGefangene oder auchschwere Verbrecher, indem man sie an einem Seil durch eine enge Öffnung hinunterließ.Durch diese Öffnung reichte man ihnen auch ihre Nahrung.

Das Leben in der Burg war im ganzen sehr einförmig, nur zuweilen unterbrachen durch eine fröhliche Jagd oder den Besuch befreundeter Nachbarn. Ab und zuerschien auch ein fahrender Sänger, der seine Weisen vortrug, oder ein Kaufmann,der Stoffe zu Prunkkleidern, feine Waffen oder blinkenden Schmuck feilbot und den