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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
Entstehung
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Das Rittertum.

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das Ansehen der Kirche und förderten die Macht des Papsttums. Durch den Heim-fall vieler Lehen vergrößerte sich der Besitz der Fürsten. Der Ritterstand wurde be-geistert, sich der Ausbreitung des Christentums zu widmen (Ritterorden). Leibeigene,welche das Kreuz genommen hatten, erwarben damit ihre Freiheit. Der Handel ge-wann an Ausdehnung, und eine Reihe von Städten gelangte zu Reichtum, Machtund Ansehen, wie Venedig, Genua, Pisa, Augsburg, Regensburg, Frankfurt u. a.Kunst und Wissenschaft, Sage und Dichtung erhielten durch den Verkehr so vielerVölker unter sich und durch die Bekanntschaft mit vorher ihnen fast fremden Ländernund Gegenden mächtige Anregung.

15. Aas Rittertum.

Entstehung. Durch das Lehenswesen war der Heerbann nach und nach in Ver-fall geraten. Die Zahl der Vasallen, über die ein großer Lehensherr gebot, reichte inden meisten Fällen aus, um dessen Kriege und Fehden auszukämpfen. Seit Heinrich I.hatte der Reiterdienst besondere Wichtigkeit erlangt und war bei den Edlen beliebtgeworden. Um aber die nötige Gewandtheit und Sicherheit zu erlangen, war eine

längere Übungs-zeit erforderlich.Dies gab dieVeranlassungzur Entstehungdes Rittertums.Dem Ritter-stande gehörtennur Männer ed-ler Abkunft an.

Die Erzieh-ung. Wie imHandwerk nurnach bestimmterZeit und nachErfüllung be-stimmter Vor-aussetzungen derLehrlingzumGe-sellen und dieserzum Meisteremporstieg, sokonnte auch dieRitterwürdenicht durch dieGeburt, sondernnur durch einevorhergehende

Ritter im Turnieranzug. ' lange llbungs-

und Prüfungszeit erlangt werden. Schon in seinem siebenten Jahre kam der ritter-bürtige Knabe an den Hof eines angesehenen Edlen, um die Zucht zu lernen. Erhieß Edelknabe (Page) und stand vorzugsweise im Dienst der Herrin des Hauses.Er wartete bei der Tafel auf, lernte edles Verhalten in Rede und Haltung, Essenund Trinken und mußte jedes Winkes seiner Herrin gewärtig sein. Daneben übteer sich unter Anleitung eines Knappen im Laufen und Springen, Reiten undSchwimmen; er schoß mit der Armbrust und lernte Fechten mit Schwert, Schildund Lanze. Nicht selten wurden die Edelknaben auch unterrichtet in Gesang und Saiten-spiel, Vorlesen und Erzählen. Im vierzehnten Jahre trat er aus dem Dienst der Herrinin den seines Herrn. Er erhielt ein Schwert, das er umgegürtet tragen durfte, undhieß Knappe. Nun begleitete er seinen Herrn als dessen Waffenträger. Er lerntedie verschiedenen Jagdkünste: Hunde abrichten, mit den Falken beizen, den Hirsch er-legen und waidgerecht zurichten, das Hifthorn blasen, eine ganze Jagd vorbereiten und