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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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60
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60 Bilder aus der deutschen Geschichte.

wartet auf des Reiches Erneuerung. (Der alte Barbarossa, der Kaiser Friedrich . ."von Rückert.)

Barbarossas Nachfolger waren gewaltige Regenten, aber sie verbrauchten ihrebeste Kraft im Kampfe mit der wölfischen Partei und deren Verbündeten, den Päpstenund lombardischen Städten. Heinrich VI. hatte mit Heinrich dem Löwen zu kämpfenund kam erst nach zwei Kriegszügen in den Besitz des Erbes seiner Gemahlin. Alser schon in seinem 32. Lebensjahre starb, wählte die hohenstaufische Partei seinen BruderPhilipp von Schwaben zum Kaiser, während die Welsen Otto IV., den SohnHeinrichs des Löwen, auf den Schild hoben. Zehn Jahre dauerte der.Bürgerkrieg, dawurde Philipp von Schwaben durch Otto von Wittelsbach wegen einer persönlichen Be-leidigung ermordet. Otto IV. heiratete die Tochter seines Gegners und wurde nun vonbeiden Parteien anerkannt. Da aber auch Otto nicht allen Wünschen des Papstes sichfügen wollte, wurde er in den Bann getan und Heinrichs VI. 15jähriger Sohn FriedrichII.(13151250) zum Kaiser ausgerufen. Unter ihm entbrannte der Kampf zwischen Hohen-staufen und Welsen am furchtbarsten. Auch er geriet in Streit mit dem Papste undwurde in den Bann getan. Trotzdem unternahm er den fünften Kreuzzug. Er gewanndie heiligen Orte durch Vertrag und setzte sich selbst die Krone des Königreichs Jeru-salem aufs Haupt. Sein Sohn Konrad IV. starb nach vierjähriger Regierung undhinterließ einen unmündigen Sohn, Konradin. Dieser letzte «sproß des herrlichenGeschlechts zog, als er herangewachsen war, nach Italien, um sein mütterliches Erbe,Neapel und Sizilien, das Papst Jnnozenz dem Franzosen Karl von Anjou geschenkthatte,..zurückzuerobern. Konradin wurde besiegt und mit seinem Freunde Friedrichvon Österreich 1268 in Neapel enthauptet.

18 . Aas Awischenrerch ( 1254 1273 ).

Zustände im Reich. Seit dein Ausgang der Hohenstaufen begann der Zerfalldes Deutschen Reiches. Es galt weder Gesetz noch Recht im Lande. Der Starke fielüber den Schwachen her, nahm ihm Hab und Gut, ja selbst das Leben. Niemandwar vorhanden, der den Schwachen hätte schützen, den Übeltäter strafen können.Jeder war auf sich selbst angewiesen und seine eigene Faust. Kein deutscherFürst ließ sich bereit finden, die Krone anzunehmen. Da lenkte der Erzbischof vonKöln die Wahl aus den reichen Richard von Cornwallis, den Bruder des Königsvon England, während der Erzbischof von Trier mit seinem Anhang sich fürAlfons von Kastilien, einen Verwandten des hohenstaufischen Kaiserhauses ent-schied. Der erstere fuhr etlichemal niit Schätzen beladen den Rhein hinauf, um dieHabsucht seiner Wähler zu befriedigen. Der andere kam nie in das Land, zu dessenRegierung er berufen war. Herrschsüchtige weltliche und geistliche Fürsten benutztendiese Zeit der Auflösung, um ihre Besitzungen zu erweitern und sich Reichslehen,Zölle und andere Rechte anzueignen. Was diese im großen trieben, übten ihreVasallen im kleinen.

Entartung des Rittertums. Bei dem Rittertum schwand die höfische Sitteimmer mehr; und die Gelübde, die sie früher zum Schutze der Armen, der Witwenund Waisen verpflichtet hatten, kamen in Vergessenheit. Von ihren Burgen, die sieau den Ufern schiffbarer Flüsse oder längs belebter Heerstraßen anlegten, betrieben sieein wildes Räuberleben. Sie plünderten die Güterwagen der Kaufleute und schlepptenReisende in ihre' Burgverließe, um von ihnen ein schweres Lösegeld zu erpressen.Hinter ihren Mauern trotzten sie den machtlosen Gerichten. Namentlich wurde dieRheinschiffahrt empfindlich belästigt durch die Unmasse von Zöllen, welche seine An-wohner erhoben, oder durch das aufgedrungene Geleit, das oft noch kostspieliger war.Am leidensvollsten gestaltete sich in dieser Zeit des Faustrechts das Los des Bauern-standes. In den Fehden der ritterlichen Gutsherren wurden nicht selten Höfe undDörfer niedergebrannt und die Ernten zerstört. Das Wild wie die Jagd war denSaaten verderblich, und die persönlichen Leistungen in Form von Frondiensten,Steuern, Zehnten und anderen Abgaben waren endlos. Dabei war der gemeineMann ohne Recht und Schutz den härtesten und entehrendsten Strafen ausgesetzt.