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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Bilder äus der deutschen Geschichte.

hatten sich eingesunken. Auch viele Gelehrte nahmen teil. Der erste Zweck wurdeerreicht: die drei Päpste wurden abgesetzt und an deren Stelle ein neuer erwählt. DieReformation der Kirche aber wurde verschoben. Durch die Lösung der dritten Aus-gabe ist das Konzil besonders bekannt geworden.

Johannes Huß wär Professor an der Präger Hochschule. Er hatte freiere An-sichten über den Ablaß und die übergroße Macht des Papstes geäußert. Dabei stützteer sich auf die Schriften Johann Wikless, eines Lehrers an der englischen Hochschulezu Oxford. Der Erzbischof von Prag ließ die Schriften von Wikles und Huß ver-brennen und tat den letzteren in den Bann. Da berief sich Huß auf die Entscheidungeiner allgemeinen Kirchenversammlung. In Konstanz erschien nun der furchtlose Mann.nachdem der Kaiser ihm freies Geleit zugesichert hatte. Als Huß in Konstanz eintraf,wurde er, trotz des ihm zugesicherten freien Geleits, gefangen gesetzt und fand erst imfolgenden Jahre Gehör. Huß sollte widerrufen, was er gelehrt hatte. Als er sichdazu nicht bereit finden ließ, wurde er für einen Ketzer erklärt und zum Tode verur-teilt. Der weltlichen Gewalt überwiesen, wurde nun Huß, trotz des ihm zugesichertenfreien Geleits, dem Scheiterhaufen übergeben und erlitt standhaft den Tod. GleichesSchicksal widerfuhr im folgenden Jahre seinem Freunde und Schüler Hieronymusvon Prag.

Hussitenkriege. An den Scheiterhaufen dieser Männer entzündete sich ein furcht-barer Religionskrieg. Die Anhänger des Huß, erbittert durch das Schicksal ihresLandsmannes, nahmen nun dem Konzil gegenüber eine drohende Stellung an und ver-langten die Gestattung des Kelchs im Abendmahl. Als man ihnen nicht willfahrte,griffen sie zu den Waffen. Unter ihren Führern, dem einäugigen, zuletzt blinden Ziskaund den beiden Prokop, verrichteten sie Wunder der Tapferkeit. König Sigismunderlitt wiederholte Niederlagen, auch mehrere Reichsheere konnten nichts ausrichten. Nichtnur in Böhmen waren die Hufsiten siegreich, sondern sie fielen auch in die angrenzen-den Länder ein, alles schrecklich verwüstend. Erst als das Konzil in Basel (1431) mit dengemäßigten Hufsiten unterhandelte und in einigem nachgab, namentlich ihnen das Abend-mahl in beiderlei Gestalt erlaubte, kehrte nach und nach wieder Ruhe in Böhmen ein.Die strengen Hufsiten (Taboriten), welche von Verhandlungen nichts wissen wollten-blieben außerhalb der Kirche. Von ihnen stammen die böhmischen oder mährischen Brüder.

Die Hohenzolleru in der Mark Brandenburg. Burggraf Friedrich VI.von Nürnberg stammte von der Burg Hohenzolleru in Schwaben. Da Friedrich,der über reiche Geldmittel verfügte, dem Kaiser mehrfach Vorschüsse geleistet hatte, soernannte ihn Sigismund (1411) zum Statthalter der Mark Brandenburg, die vonRaubrittern arg heimgesucht wurde. Friedrich erschien in der Mark, brach mit Hilfeseiner gewaltigen Donnerbüchse, derfaulen Grete", die Burgen und strafte dieRäuber. Der Adel unterwarf sich und bald kehrte Ruhe und Ordnung im Landewieder. Auf dem Konzil zu Konstanz wurde nun Friedrich von Hohenzollerufeierlich mit der Mark Brandenburg und der Kurwürde belehnt. Da jedoch mög-licherweise König Wenzel noch Kinder bekommen konnte, die dann ein näheresRecht aus Brandenburg gehabt hätten, so wurde die Summe vvn 400000Goldgulden festgesetzt, für welche diese das Land sollten zurückfordern können.Auf diese Weise kamen die Vorfahren des jetzigen Kaiserhauses in die MarkBrandenburg.

22. Die Städte im Mittetatter.

Entstehung. Die ersten Städte Deutschlands entstanden am Rhein und an derDonau. Veranlassung dazu gaben die befestigten römischen Lagerplätze, Ansiedelungenund Handelsniederlassungen. Znr Zeit der Karolinger entwickelten sich Städte in derNähe von Klöstern oder königlichen Pfalzen. Eine große Zahl von Städten in Sachsenverdankt aber, wie bekannt, ihre Entstehung Heinrich I., der zum Schutze gegen dieräuberischen Überfälle der Üngarn und Slaven eine große Zahl von befestigten Plätzenanlegen ließ. Diese Burgen bildeten gleichsam den festen Kern, um den weitere An-siedelungen und Niederlassungen erfolgten. Der Name Bürger, der strenge genommennur den Bewohnern einer Burg zukam, wurde später auch für die in der Stadt Woh-nenden allgemein.