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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Die Slädte im Ntittelalter.

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Aussehen der Städte. Schon von weitem erkannte man die-mittelalterlicheStadt an den zahlreichen Türmen, welche Kirchen, Klöster und Toreinfahrten zierten.Sie war von festen Mauern und Gräben umschlossen und nur durch wohlverwahrteTore zugänglich. Die Häuser waren oft klein, von Fachwerk erbaut und mit Strohoder Holzschindeln gedeckt. Nur die Klöster, die Häuser der Adeligen und der vor-nehmen Geschlechter waren aus Stein erbaut, zeigten mancherlei Steinzierat und einefeste Bedachung aus Ziegeln oder Schiefer. Die Häuser standen mit den Giebeln nachder Straße und bestanden aus mehreren Stockwerken, von denen die oberen über dieunteren vorsprangen. Dadurch wurden den an sich schon engen Straßen Luft und Lichtnoch mehr verkümmert. Daneben liebte man es, die Häuser noch mit vorspringendenErkern und Lauben zu verzieren. An dem Erdgeschoß der Häuser waren aus derStraße Schuppen, Vorkäme (von Kram) und Buden angebaut, und die Kellerhälsereichten zuweilen bis in den Fahrweg. Die meisten Häuser, auch vornehme, hatten imengen Hofraum Viehställe und Schuppen, denn die Bürger trieben neben ihren sonstigenGeschäften auch Landbau. Die Straßen waren eng, winkelig und düster, dabei gewöhn-lich ungepflastert und höchst schmutzig; denn auf den Fuß- und Fahrwegen sammelte

sich aller Unrat, den man aus denHäusern schaffte, und vor den Türenwaren nicht selten hohe Düngerhaufenaufgeschichtet. Das verbrauchte Wasserstoß mitten auf den Straßen, und wodie Gossen mündeten, entstanden übel-riechende Pfützen. Häufig trieben sichdie Schweine auf den Straßen herum.Der Schmutz in den Straßen wurdenur ausgefahren, wenn ein Kirchenfestnahte oder hoher Besuch in Aussichtstand. Auf den Plätzen der Stadtwaren Ziehbrunnen mit Rolle, Ketteund zwei Eimern, von denen der einein die. Tiefe fuhr, wenn der andereheraufgewunden wurde. Bei dem vor-herrschenden Holzbau und der mangel-haften Bedachung waren Feuersbrünstenicht selten. An ein Löschen war kaumzu denken; und gar oft machte das ver-heerende Element erst an der Stadt-mauer Halt. Der.. Mangel an Luftund Licht, sowie der Überfluß an Schmutzaller Art förderte die Ausbreitung vonSeuchen ganz außerordentlich, wie dieVerheerungen beweisen, welche die Pestim 14. Jahrhundert anrichtete.

auch der Stadtbewohner mit VorliebeAckerbau und Viehzucht trieb, so waren doch deren Haupterwerbszweige Handel undGewerbe. Den Mittelpunkt des Handels bildeten die Märkte und Messen. Die be-deutendsten Meßorte waren Frankfurt am Main, Köln. Leipzig, Breslau u. a. Aufgroßen Frachtwagen, die gewöhnlich mit 812 Pferden bespannt waren, wurden dieKaufmannsgüter aus den großen Lagern der Meßstädte den einzelnen Orten zugeführt.Häufig war eine größere Anzahl solcher Frachtwagen zu einem Zuge vereinigt, derzum Schutz vor den Raubrittern und Wegelagerern von Bewaffneten begleitet wurde.Erst nach wochenlanger mühsamer Fahrt kam der Kaufmann mit seinen erkauften Warenzu Hause an. Unter den Künsten blühten vor allem die Baukunst. Zu jener Zeitentstanden die herrlichen gotischen Dome, die mit ihren hohen Spitztürmen, ihrerwunderbaren Steinmetzarbeit und den herrlichen Glasmalereien ihrer spitzbogigen Fensternoch heute unser Staunen und unsere Bewunderung erwecken. Die hochragenden Pfeiler-bündel im Innern mit ihren kunstvollen Wölbungen, ihrem Blätterschmuck und demgeheimnisvollen Halbdunkel, das den ganzen Raum erfüllt, erinnern an den deutschenWald. Bon den Gewerben blühten besonders die Gold- und Waffenschmiedekunst, dieWeberei und die Holzschneidekunst.

Aus einer mittelalterlichen Stadt.

Beschäftigung der Bewohner. Wenn

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