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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Friedrich der Große.

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rock und begnügte sich mit derber, bürgerlicher Kost. Die Hoffeste, mit denen seinVater so viel Geld verschwendet hatte, schaffte er ab. Die überflüssigen Hofbeamtenwurden teils entlassen, teils ausschmalere Atzung" gesetzt. Auf Kunst und Wissen-schaft hielt er nicht viel, und die Gelehrten mußten sich manchen Spott gefallen lassen.Dagegen wollte er, daß sein ganzes Volk bis zum Geringsten in Religion, Lesen,Schreiben und Rechnen unterrichtet sei. Um dies zu erreichen, führte er den Schnl-zwang ein. Die Verwaltung der Staatsgüter überwachte er aufs sorgfältigste, undwehe dem Diener, der nicht zur rechten Zeit auf seinem Posten war. Ackerbau, Vieh-zucht und Gewerbewesen wurden auf jede mögliche Weise gefördert. Dadurch hob sichder Wohlstand, und die Staatseinnahmen besserten sich. Auch dem Heerwesenwidmete Friedrich Wilhelm I. besondere Fürsorge. Er brachte seine Armee auf84 000 Mann und nannte die Soldaten nur seine lieben blauen Kinder. An großen,schön gewachsenen Soldaten hatte er seine besondere Freude. Sein Leibregiment be-stand aus lauter Riesen, die er aus aller Herren Länder hatte zusammenwerben lassen.Beim Einexerzieren seiner Armee leistete ihm der Fürst Leopold von Dessau, deralte Dessaner", vorzügliche Dienste. Dieser führte den eisernen Ladestock an Stelledes hölzernen ein und übte zuerst den Gleichtritt und das gleichzeitige Laden undAbfeuern. Bis alles genau klappte, hatte derKorporalstock" schwere Arbeit. Dendurch Bischof Firmian 1731 aus Salzburg vertriebenen Evangelischen gewährte erbereitwilligst Aufnahme in seinem Land. Zu größeren Kriegen kam es unterFriedrich Wilhelm I. nicht. Indem er seine Armee verstärkte und den Staatsschatzfüllte, arbeitete er seinem Nachfolger vor.

Seine Erholung suchte und fand Friedrich Wilhelm im Tabakskollegium. Eswar dies eine Gesellschaft von Vertrauten, mit denen er abends zusammenkam. Manrauchte aus Tonpfeifen Tabak und trank Bier. Dabei unterhielt man sich, scherzte undneckte. Doch auch ernste Dinge kamen hier zur Sprache, und mancher wichtige Entschlußmag hier angeregt worden sein.

33. Iriedrich der Kroße (17401786).

Seine Jugend.

erste Erziehung war

Friedrich II. wurde geboren am 24. Januar 1712. Dieder Mutter und einer französischen Erzieherin überlassen.

Von seinem siebenten Jahr an kam er in mili-tärische Zucht. Der Vater wünschte, daß sein Sohnzu . einem sparsamen, gottesfürchtigen Menschenund tüchtigen Soldaten erzogen werde. Deshalbsteckte man ihn schon von klein an in die Uniformund drillte ihn mit militärischen Übungen. Da-neben überlastete man ihn mit Religionsunterricht,von dem er nichts verstand, und ließ ihn an An-dachtsübungcn teilnehmen, die den lebhaften Knabenlangweilten. Ihm sagte mehr zu, in französischenBüchern zu lesen und Flöte zu spielen. Wenn erdeshalb am Vormittag im Zopf und enger Uniformexerziert hatte, machte er es sich am Nachmittag be-quem, zog den Schlafrock an und lebte seinen Lieb-habereien. Dem Vater konnte dies nicht verborgenbleiben. Er behandelte seinen Sohn deshalb sehrstrenge und entfremdete sich dadurch dessen Herzimmer mehr. Ergrimmt schalt er:Dieser Quer-pfeife! und Poet wird mir meine ganze Arbeit verderben!"

Die Flucht. Der Zwiespalt zwischen Vater und Sohn wurde immer größer.Deshalb faßte der Kronprinz den Entschluß, zu seinem Oheim, dem König von Eng-land, zn fliehen und verabredete.einen Plan mit seinen Freunden v. Keith und

Friedrich der Große.