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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Bilder aus der deutschen Geschichte.

Verwüstung der Pfalz. Kurfürst Karl von der Pfalz war kinderlos ver-storben. Ludwig XIV. erhob Ansprüche für seinen Bruder, den Herzog von Orleans,der mit einer pfälzischen Prinzessin verheiratet war. Sengend und brennend fielenfranzösische Heere in die Pfalz ein. Heidelberg, Mannheim, Speier, Worms, Oppen-heim und Hunderte von Dörfern wurden niedergebrannt und das Land zur Wüstegemacht. In Speier wurden selbst die Gräber der daselbst ruhenden Kaiser nichtgeschont, die Kostbarkeiten geraubt und die Leichen in den Kirchen spottend nmher-geworfen. Neun Jahre dauerte der Krieg am Rhein und in den Niederlanden, bisendlich der Friede von Ryswik (reisweik), von dem Volke der Friede vonReißweg"genannt, dem Blutvergießen ein Ende machte. Die Pfalz wurde zwar an die rechtmäßigenErben zurückgegeben, aber Straßburg und das Elsaß blieben im Besitze Frankreichs.Noch einen vierten Krieg führte Ludwig XIV. gegen Kaiser Leopold und seinen Nach-folger Joseph I. wegen der Erbfolge in Spanien. Erst unter Leopolds Enkel Karl VI.wurde der Krieg durch den Frieden von Utrecht das Volk sagte vonUnrecht"(1713) beendet. Zwei Jahre später starb Ludwig XIV. Er hatte Frankreich als einreiches Land übernommen, gänzlich verarmt und mit ungeheuren Schulden belastetüberließ er es seinem Nachfolger Ludwig XV.

32. Are ersten Könige von Merchen.

Friedrich I. (16881713). Dergroße Kurfürst" hinterließ seinem Sohnein Land von 2000 Q.-M., einen wohlgefüllten Staatsschatz und ein schlagfertigesHeer. Zur königlichen Macht fehlte nur der Titel. Als zu jener Zeit ein Prinzvon Oranien den englischen Thron bestiegen hatte und der Kurfürst von Sachsenzum König von Polen gewählt worden war, da strebte auch der mächtige Kurfürstvon Brandenburg nach der Königskrone. Der kaiserliche Hof in Wien jedoch zeigtesich in dieser Frage wenig entgegenkommend. Das Herzogtum Preußen lag außer-halb der deutschen Grenzen. Man mochte deshalb befürchten, der König von Preußensei weniger fügsam als der Kurfürst von Brandenburg. Der brandenburgische Unter-händler sparte weder Geld noch Überredung, aber alles schien umsonst. Da trat einEreignis ein, was mit einem Schlag die ganze Lage änderte. König Karl II. vonSpanien starb kinderlos. Auf Drängen Ludwigs XIV. von Frankreich hatte erdessen Enkel Philipp von Anjou zu seinem Erben und Nachfolger eingesetzt, obgleichÖsterreich nähere Ansprüche hatte. Es stand deshalb ein Krieg in Aussicht, in wel-chem Österreich die Hilfe des Kurfürsten von Brandenburg nicht entbehren konnte.So wurde ihm denn gestattet, den TitelKönig in Preußen" anzunehmen. AlsGegenleistung wurde verlangt, daß der neue König auf die Hilfsgelder verzichte, dieer von dem Kaiser noch zu fordern hatte, und in dem bevorstehenden Kriege 10000 Mannfür den Kaiser ins Feld stelle. Die Krönung fand am 18. Januar 1701 inKönigsberg mit großer Pracht statt. Der erste König von Preußen wär prunkliebend.Deshalb ließ er durch seinen berühmten Baumeister Schlüter seine Hauptstadt mitprächtigen Gebäuden schmücken. Unter ihm entstanden das königliche Schloß, dasZeughaus, das Reiterstandbild des großen Kurfürsten, das Schloß Charlottenüurgund andere Bauten. Auch für die Wissenschaft war er besorgt. Er gründete dieHochschule in Halle und berief ausgezeichnete Männer als Lehrer an dieselbe, unterandern August Hermann Francke, den Gründer des berühmten Waisenhauses,und Thomasius, einen ausgezeichneten Gelehrten, der zuerst seine Vorlesungen indeutscher Sprache hielt und mit Erfolg gegen die Hexenprozesse auftrat.

Gleich seinem Vater nahm Friedrich die aus anderen Ländern um ihres Glaubenswillen Vertriebenen in sein Land auf und unterstützte deren Kolonien reichlich. Durchden Glanz, den Friedrich I. überall zu entfalten liebte, kani er in Geldverlegenheitenund fiel dadurch nicht selten Betrügern in die Hände. Während man am Hofeglänzende Feste feierte, seufzte das Volk unter der Last der ihm auferlegten Abgaben.

Friedrich Wilhelm I. (17131740) war im Gegensatz zu seinem Vater ein-fach und sparsam. Aller Prunk war ihm verhaßt. Er ging im schlichten Soldaten-