Napoleon Bonaparte.
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Krirge der Republik. Die Ereignisse in Frankreich hatten die Angehörigen derKönigsfamilie, den Adel und die höhere Geistlichkeit zur Flucht genötigt. Diese Flüchtlinge(Emigranten) sammelten sich am Rhein und reizten die deutschen Reichsfürsten, die zumTeil „ihren Besitz im Elsaß eingebüßt hatten, zum Krieg. Schon vorher waren Preußenund Österreich übereingekommen, die Rechte des Königtums in Frankreich mit Waffen-gewalt aufrecht zu erhalten, und begannen zu rüsten. Frankreich verlangte Entwaffnungund Entfernung der Emigranten von seinen Grenzen. Als dies nicht geschah, erklärte derKonvent den Krieg (1792). Bald drang ein preußisch-österreichisches Heer unter demHerzog von Braunschweig in die Champagne vor. Unklug drohte dieser in einerBekanntmachung, er werde Paris einäschern und die französische Nation vernichten, wennsie nicht wieder zum Gehorsam zurückkehre. Dies weckte die französische Nation wie miteinem Zauberschlage. Jung und alt eilte unter dem Gesang der Marseillaise") zu derArmee, die unter Dumouriez die Preußen zurückdrängte und den Österreichern beiJemappes (schcmapp) eine Niederlage beibrachte. Bald nach der Hinrichtung des Königserklärte der Konvent auch England, Holland und Spanien den Krieg. Die begeistertenFranzosen kämpften fast auf allen Punkten der Grenze, am Rhein, in den Niederlanden,in Italien und Spanien, siegreich gegen ihre Feinde. Preußen sah sich zu dem FriedenDon Basel genötigt <1795), dem bald auch Spanien beitrat. — Im folgenden Jahre drangder jugendliche General Napoleon Bonaparte mit seinem schlecht gerüsteten und mangelhaftverpflegten Heere in Oberitalien ein. Er wnßte seine Soldaten in einer Weise zu be-geistern, daß sie den Österreichern Niederlage um Niederlage beibrachten. Da mußte auchÖsterreich Friedrich schließen, der in Campo Formio l1797) zustande kam. In diesemFrieden trat es die Lombardei und Belgien gegen Benetien ab. Oberitalien und Genua,der Kirchenstaat und die Schweiz wurden in von Frankreich abhängige Republiken ver-wandelt. Das linke Rheinufer kam zu Frankreich.
38. Mapoleon Wonaparte.
Seine Herkunft und sein Wachsen. Unter den vielen Männern, welche in derfranzösischen Staatsumwälzung aus unbedeutenden Verhältnissen sich emporgearbeitet hatten,
ragte bald Napoleon Bonaparte vor allen anderenhervor. Er war am 15. August 1769 als Sohneines Advokaten in Ajaccio auf Korsika geboren.Nachdem er die Kriegsschule zu Brienne besuchthatte, tat er sich zuerst bei der Belagerung von Toulonhervor, das die Engländer genommen hatten. Seineglänzende Laufbahn begann jedoch erst, als man ihm1796 den Oberbefehl über die französische Armee inItalien übertrug, mit der er die Österreicher besiegteund zum Frieden von Campo Formio nötigte.
Um den Engländern ihren Weg nach Indienszü verlegen, zog Bonaparte mit einer Flotte und' einem Heere nach Ägypten. Bald nach seiner Lan-dung eroberte er Alexandria. Angesichts derPyramiden besiegte er ein ägyptisches Heer und unter-warf in kurzer Zeit das ganze Land. Die Eroberungvon Syrien dagegen mißlang, auch wurde fast dieganze französische Flotte bei Abukir (östlich vonAlexandria) durch den englischen Admiral Nelsonvernichtet. Während dieser Zeit war Frankreich auch
. „ , __ Jourdan war von Erzherzog Karl besiegt worden,
und der russische General Suwarow hatte Oberitälien bis auf Genua wiedergewonnen.Nachdem jedoch ein Teil der Russen bei Zürich geschlagen worden war, zog Kaiser Paulvor, mit Frankreich Frieden zu machen.
Bonaparte überließ die Behauptung Ägyptens dem General Kleber und kehrte nachFrankreich zurück. Ine Verein mit anderen Ehrgeizigen stürzte er die mißliebige Direk-torialregieruug und setzte drei Konsuln an deren Stelle, von denen er selber der erste
Napoleon Bonaparte.
in Europa nicht glücklich gewesen.
- *) ES war dies ein Kriegslied, das ein Offizier in Stratzburg gedichtet und in Musik gesetzt hatte,
dasselbe fand solchen Anklang und weckte solche Begeisterung, dah cS in Frankreich allenthalben gesungenwurde. Es trug nicht wenig zu den Erfolgen der republikanischen Armeen bei.