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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Deutschlands Erniedrigung.

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gegen Napoleon angeschlossen, weil er glauben mochte, dadurch seinem Lande denFrieden erhalten zu können. Er hatte sich sogar bereit finden lassen, einige Landesteilegegen Hannover, das man England entrissen hatte, an Napoleon abzutreten. Nachder Schlacht bei Austerlitz warf nun Napoleon die Maske ab und demütigte Preußenin empfindlichster Weise. Als er nach Vernichtung der französischen Flotte bei Tra-falgar die Überzeugung gewonnen hatte, daß es ihm nie gelingen werde, das meer-beherrschende England zu überwinden, gedachte er es dadurch zum Frieden zu bewegen,daß er demselben Hannover wieder zurückgebe. Ob Preußen bereit sei, aus Hannoverzu verzichten, danach fragte der Gewaltige nicht. Durch absichtliche Kränkungen,rücksichtslose Grenzverletzungen u. dgl. zum äußersten gebracht, erklärte endlich Preußen

den Krieg. Dieser verlief aber sehrunglücklich für das Land. In derDoppelschlacht bei Jena und Au er-st ädt wurden die preußischen Armeengeschlagen, und schon nach zehnTagen rückten die Franzosen in Berlinein. Die königliche Familie flüchtetenach Memel (1806). Die Festungenergaben sich mit unerhörter Schnellig-keit. Nur Kolberg und Graudenzmachten rühmliche Ausnahmen. Daserstere wurde von Gneisenau, Schiltund dem wackeren Bürger Nettelbeckverteidigt. Courbiöre, dem Befehls-haber von Graudenz, sagte man, umihn zur Übergabe zu bewegen:Esgibt keinen König von Preußenmehr!"Gut", antwortete er,dannbin ich König von Graudenz!" Imfolgenden Jahre wurde Preußen noch-mals bei Eylau und Rußland, dassich inzwischen mit ihm verbündethatte, bei Friedland geschlagen.Dies führte zu dem für Preußen soverhängnisvollen Frieden von Tilsit (1807). Preußen verlor alles Land zwischenRhein und Elbe und was es von dem früheren Polen besaß. Ferner mußte esseine Festungen ausliefern, ungeheure Kriegskosten zahlen und seine Armee auf42 000 Mann vermindern. Vergebens bemühte sich die edle Königin Luise, mildereFriedensbedingungen zu erlangen. Napoleon behandelte sie bei einer Zusammenkunftanmaßend und verletzend. Aus den preußischen Besitzungen westlich der Elbe mitKnrhessen und Braunschweig errichtete Napoleon das Königreich Westfalen, daser seinem Bruder Hieronymus schenkte. Ein großer Teil Polens wurde als Herzog-tum Warschau dem Kurfürsten von Sachsen überlassen, der zugleich den Königs-titel erhielt.

Österreichs Freiheitskampf (1809). Napoleon hatte den König von Spanienzur Abdankung gezwungen und dessen Land seinem Bruder Joseph, dem König vonNeapel, gegeben. Aber das spanische Volk wollte sich dem aufgedrungenen Herrschernicht unterwerfen, und es entstand ein langer, hartnäckiger Kamps, der Napoleon vieleseiner besten Streiter kostete. Dieser Zeitpunkt schien Österreich geeignet, seine Unab-hängigkeit wiederzuerlangen. >sein trefflicher Heerführer, Erzherzog Karl, hatte durchErrichtung einer Landwehr Österreichs Truppenmacht erheblich vermehrt; auch durfteauf den in Deutschland allmählich erwachenden Volksgeist gerechnet werden. AberPreußen seufzte noch unter dem Drucke des Eroberers, und der Rheinbund stand ausfeiten Frankreichs. So stand Österreich allein. Nach mehreren siegreichen Gefechten

Geschichte. (Emil Roth in Gietzen.) S. Aufl. H 7

Königin Luise.