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Bilder aus der deutschen Geschichte.
Mann an der polnischen Grenze an, und selbst von diesen starben noch viele infolgeder Strapazen und Entbehrungen. Napoleon überließ die Trümmer des gewaltigenHeeres ihrem Schicksal und eilte nach Paris, um neue Kräfte zu den Waffen zu rufen.
41. Die Befreiungskriege.
Der erste Anstoß. In ganz Deutschland erkannte man in Napoleons furchtbarerNiederlage ein Strafgericht Gottes. Jeder empfand, daß damit eine wichtige Ent-scheidung begonnen habe. Das österreichische und das preußische Hilfskorps warenvon den Folgen dieses Feldzugs am wenigsten berührt worden. Fürst Schwarzenberg,der die Österreicher selbständig befehligte, schloß anfangs 1813 mit den Russen einenWaffenstillstand. Damit trat Österreich vorläufig vom Kriegsschauplatz ab. Einpreußisches Korps unter General von Pork bildete den linken Flügel und war einTeil des französischen Armeekorps unter Macdonald. In Pork war der Haß gegenden fremden Unterdrücker noch grimmiger geworden, seit er gezwungen war, sich einem
französischen Befehlshaber unterzuordnen. Bei der ersten Kunde von dem Untergang
des Hauptheeres ging es wie Jubel durch seine Seele, und sein Heer — das wußte
er — teilte diese Stimmung. Mit scharfemVerstände durchschaute er die Lage vollkommen.Er erkannte, daß nur bei Preußen die Ent-scheidung liege. Jetzt oder nie war der
Augenblick der Befreiung gekommen. Blieber unter den französischen Fahnen, dannwaren den Russen die preußischen Grenzenversperrt, und Napoleon gewann Zeit zuneuen Rüstungen. Fiel dagegen das preußischeKorps von der französischen Sache ab, dannüberschritten die Russen die Grenze. Die
Franzosen konnten sich dann in Ostpreußen
nicht mehr halten. Hinter ihnen erhob sichdas Volk, und das Feuer der Begeisterungflammte durch Deutschland weiter. Wieder-holte Anfragen Hvrks ^ ^n König bliebenohne genügende Antwort. War doch derKönig nicht frei! Er befand sich in der Gewalt der Franzosen, und seine persönlicheFreiheit war gefährdet, wenn er denselben Grund zum Argwohn gab. — Da wagtees Pork auf seinen Kopf, mit dem russischen General Diebitsch die Übereinkunftvon Tauroggen zu schließen. Dadurch trennte er sich von den Franzosen underklärte sich bis zur Entscheidung des Königs neutral. Seine Offiziere stimmten ihmjubelnd zu. In einem Briefe an den König sprach er klar und offen seine Beweg-gründe aus und schloß mit den Worten: „Ich lege meinen Kopf Eurer Majestät zuFüßen und erwarte auf dem Sandhaufen so ruhig wie auf dem Schlachtfeld dieKugel!" Der König war in einer peinlichen Lage. Öffentlich verurteilte er PorksSchritt und verfügte dessen Absetzung. Aber das Schreiben wurde von den russischenVorposten aufgefangen und kam gar nicht an seine Adresse. Indessen war mit einemSchlage alles anders geworden. Die Provinz Ostpreußen erhob sich. Die Ständetraten zusammen und beschlossen die Errichtung einer Landwehr. Das Volk trat unterdie Waffen. Die Begeisterung pflanzte sich fort und riß zuletzt auch den König hin.Heimlich verließ er Berlin und begab sich nach Breslau, wo er dem französischenEinfluß entrückt war.
Aufruf des Königs. Wenige Wochen später schloß König Friedrich Wil-helm III. ein Bündnis mit Rußland und rief die streitbaren Männer seines Volkeszu den Waffen. „Es ist der letzte, entscheidende Kampf", hieß es in dem Aufruf,„den wir bestehen für unser Dasein, unsere Unabhängigkeit, unseren Wohlstand.
General v. Hork.