Wendung zum Bessern.
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deutschen Volkes Waffenschmied". Da aber Preußen nach dem Tilsiter Friedens-vertrag mehr als 42 000 Mann unter den Waffen nicht haben durfte, so wurden diejungen Krieger, sobald sie ausgebildet waren, entlassen und andere unter die Fahnengerufen. Napoleon konnten diese Vorgänge in Preußen nicht verborgen bleiben.
Freiherr von Stein wurde deshalb als eingefährlicher Gegner Frankreichs erkannt undgeächtet. Doch gelang es ihm, nach Öster-reich und später nach Rußland zu ent-kommen. Überall war er rastlos tätig, umden Haß gegen Napoleon zu schüren. InPreußen regierte der König in SteinschemGeiste weiter. Fichte, Professor in Jenaund später in Berlin, hielt seine zündenden„Reden an die deutsche Nation". TurnvaterIahn sammelte die Jugend auf der Hasen-heide (bei Berlin), stählte ihren Körper durchdas Turnen und erfüllte ihre Herzen mitBegeisterung für das Vaterland und mitHaß gegen seinen Unterdrücker. Dichter wieSchiller in seinem „Wilhelm Tell", Rü ckertin seinen „Geharnischten Sonetten", Heinrichvon Kleist, Theodor Körner, Ernst MoritzArndt u. a. weckten durch ihre Lieder dieLiebe zum Vaterland und die Hoffnung aufdessen endliche Erlösung. Die edle Königin Luise nahm mit herzlicher Freude dasErwachen dieses Geistes wahr, sollte jedoch den Tag des Sieges nicht mehr erleben.Der Gram um des Vaterlandes Not hatte ihr das Herz gebrochen. Sie starb 1810.Die von Preußen ausgehende Bewegung erreichte immer weitere Kreise. Es bedurftenur eines äußeren Anstoßes, und es wurde zur Tat, was der Dichter gesungen:„Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!"
Napoleons Zug nach Rußland. Kaiser Alexander von Rußland hatte,Napoleon nachgebend, den Handelsverkehr mit England eingestellt. Er hob jedochdiese Anordnung wieder auf, als er die Wahrnehmung machte, daß sein eigenes Landschwer darunter litt. Um Rußland zur Unterwürfigkeit zu zwingen, zog nun Napoleonini Frühjahr 1812 mit mehr als ('s Million Streitern nach Osten. Die Rhein-bundstaaten, Österreich und Preußen hatten ihren Anteil zu dieser Armee stellen müssen.Unwiderstehlich drang sie vor. Vergeblich suchten die Russen Smoleusk zu ver-teidigen; auch bei Borodino an der Moskwa blieb Napoleon Sieger. Schon nachwenigen Monaten zog Napoleon in der ehrwürdigen Hauptstadt Moskau ein, die abervon der Mehrzahl ihrer Bewohner verlassen war. Hier gedachte er Winterquartiere zubeziehen, um im nächsten Frühjahr mit frischen Kräften ven Feldzug eröffnen und Ruß-land den Frieden diktieren zu können. Aber in Gottes Rat war ds anders beschlossen!Um den Franzosen das Überwintern unmöglich zu machen, ließ der russische Statt-halter Moskau an mehreren Enden anzünden. Der erhofften Quartiere beraubt, botNapoleon die Hand zum Frieden. Aber Alexander wies alle Vorschläge zurück. Sosah Napoleon sich gezwungen, Ende Oktober den Rückzug durch das ausgesogene undverödete Land anzutreten. Schon stellte der Winter mit ungeheurer Strenge sich ein.Hunger und Frost hielten eine furchtbare Ernte. Die russischen Heere, die nur aufden Beginn des Winters gewartet zu haben schienen, rückten heran. Nirgends konntendie Franzosen sich mehr behaupten; die Ordnung löste sich mehr und mehr. Schrecklichwar der Übergang über die Beresina. Die überlasteten Brücken brachen, undTausende fanden ihren Tod in den eisigen Fluten. Was noch auf dem linken Uferzurück war, geriet in Gefangenschaft. Von der stolzen Armee kamen nicht 40 000
Scharrrhorst.