Der deutsch-französische Krieg.
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über den Haufen geworfen habe. — Aber schon am 4. August überschritt der Kron-prinz mit seiner Armee die französische Grenze und griff die Stadt Weißenbnrg an.Trotz verzweifelter Gegenwehr wurden die Festung und der stark besetzte Geißb crg
erstürmt und Viele Gefangenegemacht. Zwei Tage später stelltesich der siegreich vorrückendenArmee Marschall Mac Mahonentgegen. Er hatte die Höhenum Wörth stark besetzt undhielt sich für unüberwindlich.Aber auch hier vermochten dieFranzosen der ungestümen Ta-pferkeit der vereinigten Bayern.Preußen und Württembergernicht zu widerstehen. In regel-loser Flucht gingen die Fran-zosen zurück und konnten sicherst hinter der Mosel wiedersammeln. Viele Gefangene. 33Geschütze und viele Fahrzeugefielen in die Hände der Deut-schen. — An demselben Tageerstürmte die erste Armee inblutiger Schlacht die für unan-greifbar gehaltenen Spich er erHöhen südlich von Saarbrücken.Am folgenden Tage nahmen die erste und zweite Armee die Stadt Forbach undverfolgten den geschlagenen Feind, der sich nach Metz zurückzog. Die siegreiche Armeedes Kronprinzen teilte sich hierauf in zwei Teile; der kleinere wandte sich nach Süden,um die Festung Straßburg einzuschließen. Der andere zog durch die Vogesen, erobertedie kleinen Bergfestungen Lützelstein. Lichtenberg und Marsal. schloß Psalzburg undBitsch ein und drang unaufhaltsam bis Nancy vor.
Die Kämpfe nm Metz. Marschall Mac Mahon hatte die Reste seines Heeresgesammelt und sich mit denselben in das befestigte Lager bei Chalons an der Marnezurückgezogen. Das französische Hauptheer. etwa 200 000 Mann, stand unter demOberbefehl des Marschalls Bazaine bei Metz. Dieser hatte die Absicht, sich mit MacMahon zu vereinigen. Den deutschen Armeen hätte dann ein französisches Heer von350 000 Mann gegenüber gestanden. Um die geplante Vereinigung zu verhindern,griff General Steinmetz bei dem Dorfe Courcelles (kursell) das schon im Abzug be-griffene französische Heer an und brachte es zum Stehen. Unterdessen überschritt PrinzFriedrich Karl die Mosel. Noch vor den Franzosen erreichte er die westlich von Metzabführenden Straßen und verlegte ihnen bei Mars la tonr und Vionville denWeg. Wie ein fester Keil schoben sich die deutschen Korps zwischen die beiden feind-lichen Armeen. Fast dreimal stärker war der Feind, den die Brandenburger todes-mutig angriffen. Immer neue Verstärkungen zog der Feind an sich heran, währenddie Deutschen kein Bataillon, kein Geschütz mehr in Reserve hatten. Die nächsteUnterstützung war weit zurück. Nur eine Rettung gab es. die Reiterei. Davon warenzwei Regimenter zur Hand. Sie verstehen, um was es sich handelt! Mit unwider-stehlicher Wucht reiten sie in die feindlichen Linien hinein. Das erste Treffen ivirdübcrritten. die verderbenspeiende Batterie genommen, die Bedienungsmannschaft nieder-gehauen. Aber nun zeigte sich eine lauge Infanteriekolonne. Auch die noch? Es mußsein! Auch das zweite Tressen vermochte den gewaltigen Reitersturm nicht aufzuhalten.Nochmals müssen die Braven die vorher überrittenen Treffen rückwärts durchjagen.Der Feind ist verblüfft. Er kann nicht anders annehmen, als dies sei der Vorstoß
Kaiser Friedrich.