Bilder aus der deutschen Geschichte.
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einer ungeheuren Macht. So kam die Vorwärtsbewegung des französischen Heereszum Stehen. Mittlerweile kam eine weitere Division nach einem Marsch von sechsMeilen zu Hilfe, so daß die Deutschen das Schlachtfeld behaupten konnten. Bazaineaber zog seine Armee unter die Mauern von Metz zurück. Dieser Erfolg war inerster Linie der tollkühnen Tapferkeit der genannten Reiterei zu danken.
„Doch ein Bluiritt war es, ein Todesritt,
wohl wichen sie unseren Hieben,
doch von zwei Regimentern, was ritt und was stritt,
unser zweiter Mann ist geblieben."
Am 18. August suchte Bazaine sein Heer auf dem einzigen noch möglichenWeg aus Metz zu führen. Derselbe führte nach Nordwesten. Um auch dies zu ver-hindern, griffen die Deutschen unter Führung des Königs Wilhelm den Feind an.Derselbe hielt den Höhenrand von Gravelotte bis St. Privat besetzt. Furchtbarwütete der Kampf. Alle Angriffe auf die unüberwindliche Stellung des französischenZentrums wurden mit großen Verlusten zurückgewiesen. Erst gegen Abend gelang esden Sachsen, im äußersten Norden den rechten französischen Flügel zu umfassen undzum Weichen zu bringen. Aber das Zentrum stand noch unerschüttert. Eben unter-nahmen sie den Versuch, in gewaltigem Ansturm die deutsche Stellung zu durchbrechen.Schon waren einzelne deutsche Abteilungen zurückgedrängt, da erscheinen die Pommernnach langem, beschwerlichem Marsch an der entscheidenden Stelle. Sie dringen mitdem Bajonett auf den Feind ein und werfen ihn zurück. Ein allgemeines Vorrückenauf deutscher Seite entschied den opferreichen Tag zu ihren Gunsten. Morgens inder Frühe verließ Bazaine seine Stellungen und zog sich nach Metz zurück. So wardie Vereinigung der beiden Armeen verhindert und das beste Heer Frankreichs inMetz eingeschlossen. Umsonst waren alle Bemühungen, den eisernen Ring zu durch-brechen, den Prinz Friedrich Karl um die Festung zog.
Die Schlacht bei Sedan. Nach diesen Kämpfen setzten die deutschen Armeen,soweit sie nicht bei der Einschließung von Metz erforderlich waren, ihren Marsch ausParis fort. Mittlerweile hatte Mac Mahon, der noch immer mit ISO OOO Mannbei Chalons stand, von Paris den Auftrag erhalten, dem Marschall Bazaine in Metzzu Hilfe zu kommen. Dies sollte in aller Heimlichkeit geschehen. Um einer Berüh-rung mit deutschen Truppen möglichst auszuweichen, wählte Mac Mahon den Weglängs der belgischen Grenze. Bald aber kam zur Kenntnis der deutschen Heeres-leitung, daß Mac Mahon das Lager von Chalons verlassen und sich nach Nordengewandt habe. Sofort wurde aus zwei Armeekorps eine vierte Armee gebildet unddem Oberbefehl des Kronprinzen Albert von Sachsen unterstellt. Derselbe wurde be-auftragt, Mac Mahon zu folgen. Auch der Kronprinz von Preußen erhielt den Be-fehl, mit seiner Armee nach Norden zu schwenken. Schon am 30. August erreichteder Kronprinz von Sachsen die Mac Mahonsche Armee bei Beaumont (bomong).Er besiegte sie und verlegte ihr den Weg nach Metz. Mac Mahon zog sich nach derkleinen Festung Sedan an der belgischen Grenze zurück. Nun nahte auch der Kron-prinz von Preußen und schloß ihn von Süden und Westen und zuletzt von Norden ein.Von allen Seiten umstellt, machte Mac Mahon am 1. September den Versuch, dereisernen Umklammerung, die ihn in Sedan festhielt, sich zu entziehen. Da er gleichanfangs verwundet wurde, so trat er den Oberbefehl an den General v. Wimpffen ab.Immer enger schloß sich der Ring. Die Dörfer um Sedan standen in Flammen. Daein Entkommen unmöglich war, beschlossen die französischen Generale sich gefangen zugeben. Jetzt erst erfuhr man, daß Napoleon selber bei der Armee in Sedan sei. Ersandte dem König Wilhelm durch einen General einen Brief, der so anfängt: „Daes mir nicht vergönnt gewesen ist, an der Spitze meiner Armee zu sterben, so über-gebe ich Eurer Majestät meinen Degen".
Unbeschreiblich war der Jubel im ganzen Vaterlande ob dieses Ereignisses.Tief ergriffen schrieb König Wilhelm an seine Gemahlin: „Welch eine Wendung durchGottes Fügung!" Die französische Armee, 83 000 Mann (25 000 Mann waren schon