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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Hessen unter thüringischen Fürsten.

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Weinbau ain Rheine eingeführt habe, ist eine Sage. Jedenfalls aber hat dieser wich-tige Zweig des Landbaues durch ihn eine wesentliche Förderung erfahren.

Sagen- Auch in verschiedenen Sagen hat sich das Andenken an Karl den Großenerhalten. Frankfurt soll seinen Namen davon erhalten haben, daß eine Hirschkuhvor Karls Heer den Main durchwatete und damit den Franken eine Furt zeigte.Seligenstadt erhielt seinen Namen davon, daß Karl in dortiger Gegend seine TochterEmma wiederfand, die er wegen ihrer Liebe zu seinem Geheimschreiber Einhard ver-stoßen hatte. (Selig ist die Stadt, wo ich meine Tochter wiederfand!") '

Auch Karls Nachfolger blieben der Gegend am Rhein gewogen. Ludwigder Fromme starb auf einer Rheininsel bei Jngelheim (840), als er im Begriffwar, nach Worms zu reifen, um auf einem Reichstag die Streitigkeiten mit seinenSöhnen zu schlichten. Ludwig der Deutsche liegt in Lorsch begraben.

Das Herzogtum Franken. Karl der Große hatte das Reich in Gaue geteilt,deren federn ein Gaugraf als königlicher Beamter vorstand. Unter der schwachenRegierung seiner Nachfolger verfiel die Gauversasfung. Das Gefühl der Zusammen-gehörigkeit schwand, und das Reich löste sich in eine Anzahl selbständiger Stammes-herzogtümer auf. So entstand auch das Herzogtum Franken, das unter anderen 'den Oberlahngau, den Niederlahngau, den Rheingau und die Wetterau umfaßte.Konrad von Franken erlangte nach dem Ausgang der Karolinger die königlicheWürde (S. 44). Nach dem Tode seines Bruders Eberhard (S. 47) löste sich dieVerbindung der hessischen Gaue mit dem übrigen Frankenlande, und dieses zerfiel ineine Anzahl kleinerer Gebiete und Herrschaften. Otto der Große beförderte diese.Auflösung, indem er Bistümer und Klöster mit der gräflichen Gewalt bekleidete, diediese dann durch von ihnen abhängige Herren ausüben ließen. Im 11. und 12. Jahr-hundert befanden sich die meisten Güter des konradinischen Geschlechts in den Händender Grafen von Gudensberg, die an der alten Malstätte zu Maden (Mattium)an der Eder Recht sprachen.

3. Kessen unter thüringischen Jursten.

Ludwig I. von Thüringen kam durch Heirat in den Besitz der GrafschaftMaden und der übrigen Güter des fränkischen Hauses. Er hatte gleich den übrigenLandgrafen von Thüringen seine Residenz auf der Wartburg. Er war ein tüchtigerMann und leistete dem Kaiser Lothar (S. 57), der ihn zu seiner Würde erhobenhatte, treuen Beistand. Ihm folgte sein Sohn

Ludwig II., der Eiserne (11401172). Er war streng, aber gerecht undbesonders aus das Wohl der armen Leute bedacht. Er hielt treu zu den hohen-staufischen Kaisern Konrad III. und Friedrich I. Mit letzterem war er sogar ver-schwägert. Er ist bekannt durch die SagenDer Schmied von Ruhla" undDieeiserne Mauer."

Der Schmied von Ruhla. Eines Tages war Landgraf Ludwig II. bei derJagd von seinem Gefolge abgekommen und hatte sich verirrt. Müde und hungrig, warer froh, als er spät am Abend eine einsame Waldschmiede fand. Er gab sich für einenvon des Landgrafen Gefolge aus und bat um Aufnahme. Der Schmied bot ihm freund-lich ein einfaches Abendmahl und ein Lager neben der Schmiede. Als der Landgrafam Morgen von einem erquickenden Schlafe erwachte, hätte der Schmied seine Arbeitbereits begonnen. Mit Erstaunen nahm er wahr, daß der Schmied seine Schläge mitWorten begleitete. Er horchte genauer und vernahm bei jedem Schlag:Landgraf,werde hart!" Beim Frühmahl fragte er nach dem Sinn der gehörten Worte. Da er-zählte ihm der Schmied:Unser junger Landgraf ist wohl ein guter Herr, aber viel zuweich. Er belustigt sich mit Jagd und Kurzweil und merkt nicht, wie die Ritter undHerren die armen Bauern schinden und plagen." Der Landgraf wurde ernst undfragte: ,,Jst das aber auch wahr?"Gewiß!" erwiderte der Schmied und erzählte eineganze Reihe von Gewalttaten, die in seiner Nachbarschaft vorgekommen seien. DerLandgraf dankte für die gastliche Aufnahme und entfernte sich. Jetzt begann er dieKlagen seiner Untertanen zu untersuchen und fand, daß der Schmied ihm die Wahrheit