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Bilder aus der hessischen Geschichte.
nach Worms zum Besuch ihrer Verwandten. Bei dieser Gelegenheit gerieten Brunhildeund Kriemhilde in Streit über den Wert und die Würdigkeit ihrer Gatten. Kriemhildekannte das Geheimnis von Brunhildens Überwindung und warf es ihr beim Streitevor. Das war ein Schimpf für die stolze Frau, der ihre Rache herausforderte. Sieveranlaßte ihren Dienstmann, den grimmen Hagen, Siegfried zu ermorden. Unter demVorwand, Siegfried schützen zu wollen, verleitete Hagen die arglose Kriemhilde, dieverwundbare Stelle seines Körper durch ein Zeichen an der Kleidung kenntlich zumachen. Gelegentlich einer Jagd im Odenwalde vollbrachte Hagen die verräterischeTat. Er rühmte sich derselben und raubte Kriemhilde auch noch den „Nibelungenhort"und versenkte ihn in den Rhein. — Dreizehn Jahre trauerte Kriemhilde um den ver-lorenen Gatten und sann auf Rache an vem ungetreuen Hagen. Da erschien Rüdigervon Bechlarn und warb für König Etzel aus Hunnenland um ihre Hand. Ihrer Rachegedenkend, nahm sie die Werbung an. Nach längerer Zeit lud Brunhilde ihre Brüderund Hagen zu Besuch nach Hunnenland. Von dunklen Ahnungen erfüllt, war Hagenbemüht, die Reise zu hintertreiben, doch ohne Erfolg. Fröhlich zogen die Burgunder— unter ihnen der heitere Fiedler Volker aus Alzeh — donauabwärts nach Hunnen-land. Nicht einer von denen, die ausgezogen waren, kehrte zurück. Nach furchtbarenKämpfen fiel Günther mit seinen Brüdern. Zuletzt schlug Kriemhilde dem gefangenenund gefesselten Hagen, der hartnäckig jede Auskunft über den versenkten Nibelungen-hort verweigerte, mit Siegfrieds Schwert den Kopf ab. Ergrimmt über diese Bluttateines unversöhnlichen Weibes springt Hildebrand, der treue Dienstmann Dietrichs vonBern, herzu und erschlägt auch sie. Der Hort der Nibelungen aber liegt noch beiWorms im Rheine bis auf diesen Tag.
Ausbreitung des Christentums. Schon zur Zeit der Römer bestand in Mainzeine christliche Gemeinde; denn als 368 der Alemannenfürst Rondo die Stadt überfielund plünderte, waren daselbst, wie uns erzählt wird, Tausende von Christen zurFeier eines Kirchenfestes versammelt. Nachdem Chlodwig sich hatte taufen lassen,breitete sich infolge des fränkischen Einflusses das Christentum am Rhein allgemein aus.Schon 764 wurde durch einen Angehörigen des fränkischen Königshauses in Lorschein Kloster gegründet. Erst Winfried Bonifatius, dem „Apostel der Deutschen", wares vorbehalten, mich in die Wälder und Gebirge des Chattenlandes die Segnungendes Christentums zu tragen (S. 39). Das erste Kreuz daselbst erhob sich auf derAm an a bürg (Amöneburg) an der Ohm. Von hier wandte sich Bonifatius nachdem Mittelpunkt des Hessengaues am Zusammenfluß der Schwalm, Eder und Fulda(Donnereiche bei Geismar). Dem Kloster in Amanaburg folgten die in Fritzlar,Fulda u. a.
2. Keilen als Glied des Krankenreiches.
Unter Karl dem Großen. In welcher Weise das Hessenland dem Franken-reiche eingegliedert war, wissen wir nicht. Der Name Chatten verschwand im Laufedes dritten Jahrhunderts in dem großen Frankenbunde. Unter den Merowingern bildeteParis den Mittelpunkt des Reiches. Karl der Große dagegen verlegte seine Residenzennach Aachen und an den Rhein. Überall begegnen wir hier noch seinen Spuren.Hier hatte er seine Lieblingspfalzen und seine Jagdgebiete, hierher berief er die meistenseiner Reichstage. Daß Karl in Nieder-Jngelheim geboren sei, wie die Sage be-hauptet, kann nicht bewiesen werden; dagegen steht fest, daß er zwischen 768 und 774sich daselbst einen prächtigen Palast bauen ließ und sich häufig dort aufhielt. InWorms wurde 772 der Krieg gegen die heidnischen Sachsen beschlossen. 774 be-teiligte sich Karl mit seiner Gemahlin und seinen beiden ältesten Söhnen bei derEinweihung des von einem seiner Verwandten gegründeten neuen Klosters in Lorsch.In Klöstern bei Mainz und Worms errichtete er Schulen. Bei Gernsheim, Mei-sten: und Heppenheim bestanden kaiserliche Kammergüter, deren musterhafte Bewirt-schaftung anregend und bessernd aus die Umgebung einwirkte. Zwischen Mainz undKastel ließ er auf den Pfeilern der zerstörten Römerbrückc eine Holzbrücke errichten,die leider nach kurzer Zeit wieder ein Raub der Flammen wurde. Daß Karl den