Hessen unter eigenen Fürstein
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von der Wartburg vertrieben. Später söhnte sich ihr Schwager mit ihr aus und über-wies ihr das Schloß in Marburg als Witwensitz. Elisabeth, die schon zu Lebzeitenihres Gemahls sich die strengsten Bußübungen auferlegt hatte, trennte sich von ihrenKindern und widmete sich ganz andächtigen Übungen und Werken der Barmherzigkeit.Den strengen Kasteiungen. die ihr Beichtvater Konrad von Marburg von ihr verlangte,war ihr schwächlicher Körper nicht gewachsen. Sie starb 1231, erst 24 Jahre alt. „DieWunder, die man ihren Gebeinen zuschrieb, veranlaßten ihre Heiligsprechung/ Überihrem Grabe erhebt sich die prachtvolle Elisabethenkirche.
Ihr Sohn Hermann II. starb 1242, erst 20 Jahre alt. Ihm folgte seinOheim Heinrich Raspe (1242—1247) in der Regierung. Er ließ sich von derpäpstlichen Partei zum Verrat an deni Kaiser verleiten. Die geistlichen Fürstenwählten ihn gegen den mit dem Kirchenbann belegten Friedrich II. zum Kaiser (S. 60).Die weltlichen Fürsten hielten sich jedoch fern, und das Volk nannte ihn den „Psaffen-könig". Von der Belagerung der Stadt Ulm kehrte er krank nach der Wartburg zurückund starb kinderlos (1247). Mit ihm erlosch das thüringische Fürstengeschlecht.
!4. Kesfen unter eigenen Aürsten.
Heinrich das Kind (1247—1308). Die Verbindung Hessens mit Thüringenwar bei der hessischen Ritterschaft niemals beliebt gewesen. Als deshalb mit HeinrichRaspe das thüringische Herrscherhans im Mannesstamme erloschen war, erachtete mandie Zeit für sehr geeignet, wieder selbständig zu werden. Deshalb kamen die Vertreterdes Landes an der alten Gerichtsstätte bei Maden zusammen, um über die Zukunftdes Landes zu beraten. Sie wurden dabei eins, „wenn des Landgrafen Ludwig undSt. Elisabethen Tochter, die verwitwete Herzogin Sophie von Brabant, einen Sohnhätte, so wäre dieser der wahre Erbe des Landes". Einige Zeit darauf erschien Sophiemit ihrem vierjährigen Sohne Heinrich in Hessen und nahm für denselben das Landin Besitz. Überall, wo die Tochter der heiligen Elisabeth erschien, wurde sie mitJubel aufgenommen. Aber es mußten jahrelange Kämpfe mit den Mitbewerbern ge-führt werden, um das Land zu behaupten. Erst 1263 kam der Vertrag von Wettinunweit der Saale zustande, in dem Hessen als selbständiger Staat anerkannt wurde.Aber selbst jetzt noch mußten langwierige Kämpfe mit °den kriegerischen Erzbischösenvon Mainz geführt werden, welche die Oberlehnsherrlichkeit über das hessische Gebietbeanspruchten. Rudolf von Habsburg, der dem Erzbischof Werner von Mainz seineWahl zum deutschen Kaiser verdankte, nahm deshalb anfangs dem hessischen Land-grafen gegenüber eine feindselige Haltung ein. Doch änderte sich dies bald. Heinrichzog mit dem Kaiser gegen den widerspenstigen Ottokar von Böhmen und unterstützteihn in seinen Kämpfen gegen die Wegelagerer und Raubritter. 18 Raubschlösserwurden von Heinrich in seinem Gebiet erobert und zerstört. Sein Sohn
Otto I. (1308—1328) stand in dem Streite Ludwigs von Bayern mit Friedrichvon Österreich auf feiten des letzteren. Doch kam nach der Schlacht bei Mühldorf(1322) ein Vergleich zustande, und Otto empfing die kaiserliche Belehnung mitseinen Gebieten.
Heinrich II. (1328—1376) hatte, wie sein Vater und Urgroßvater, schwierigeKämpfe mit den Erzbischösen von Mainz zu bestehen. Da seine beiden Söhne Heinrichund Otto der Schütz früh starben, so berief er seines Bruders Sohn
Hermann den Gelehrten (1376—1413) zum Mitregenten und dereinstigenNachfolger. Als jüngerer Sohn einer Seitenlinie hatte er keine Aussicht, jemals aufden Thron zu kommen. Er widmete sich deshalb dem geistlichen Stande und hattees bereits bis zum Domherrn in Magdeburg gebracht, als der Ruf seines Oheimsan ihn erging. In jener Zeit, wo nur rohe Gewalt sich Geltung verschaffen konnte,hielt man nicht viel von Gelehrsamkeit. Hermann hatte deshalb seinen Rittern gegen-über einen schweren Stand. Sie empfingen ihn mit offenbarem Hohn und fragtennichts nach seinen Anordnungen. Nur die Städte standen treu auf seiner Seite. Die
Geschichte. tV. (Emil Roth in Gt-tzen., 3. Anfl. -i- 9