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Bilder aus der hessischen Geschichte.
Ritter vereinigten sich zu einem Bund mit der ausgesprochenen Absicht, den Befehlendes Landgrafen zu trotzen und sein Land unter sich zu teilen. Als Bundeszeichenführten sie einen Stern, weshalb ihre Vereinigung der „Sternerbund" genannt wurde.Aber Hermann nahm den aufgedrungenen Kamps an und siegte schließlich mit Hilfeder Städte und weniger getreuer Ritter. Sein Sohn
>. Ludwig I., der Friedfertige (1413—1458), war in der Jugend kränklich ge-wesen und hatte deshalb weder lesen, noch schreiben gelernt. Nichtsdestoweniger besaßer wegen seines vortrefflichen Charakters ein solches Ansehen unter seinen Standes-genossen, daß er vielfach als Schiedsrichter angerufen wurde. Nach dem Tode KaiserAlbrechts II. (1439) bot man ihm sogar die Kaiserkrone an. Doch lehnte er sie ab.Der Papst verlieh ihm bei seiner Anwesenheit in Rom den Titel „Friedensfürst".Doch darf man nicht glauben, daß Ludwig schwach gewesen wäre.' Im Gegenteil,er verteidigte die Rechte seines Landes aufs tapferste. Das mußte der Bischof vonMainz zu seinem Nachteil erfahren. Durch zwei Siege bei Fritzlar und bei Fulda(1427) fetzte er den mainzischen Eroberungsgelüsten für immer ein Ziel. Graf Johannder Starke von Ziegenhain, der Ludwig zu besonderem Danke verpflichtet war, setzteihn zu seinem Erben ein. So kamen die Grafschaften Ziegenhain und Nidda mitden schönsten Teilen der Wetterau an Hessen. Seine Söhne
Ludwig II. (1458—1471) und Heinrich III. (1458—1483) teilten das Land.Diese Teilung war die Ursache eines Zwistes zwischen beiden Brüdern, unter demdas Land schwer zu leiden hatte. Erst 1469 kam zwischen den feindlichen Brüdernein Vergleich zustande. Heinrich III. war mit Anna, der Erbtochter des GrafenPhilipp von Katzenelnbogen, verheiratet. Nach dessen Tode (1479) fielen ihm zu:die obere und die niedere Grafschaft Katzenelnbogen und. die Grafschaft Dietz. Erwurde deshalb von seinen Zeitgenossen „der Reiche" genannt.
KaHeoelnbogen. Niederkatzenelnbogen und Dietz lagen zwischen Taunus, Rheinund Lahn, die obere Grafschaft dagegen im Oberrheingau und zwar im Nordwesten derheutigen Provinz Starkenburg. Die Grafen von Katzenelnbogen leiteten ihre Abstam-mung von einem Schirmvogt des Klosters Prüm in der Eifel ab. Ihren Namen führensie von dem Schlosse Katzenelnbogen unweit Langen-Schwalbach. Die Katzenelnbogenerwaren ein tüchtiges und sparsames Geschlecht. Sie hatten stets Mittel, um Güterkaufen und verschuldeten Stnndesgenossen Vorschüsse machen zu können. Selbst dieKaiser, die ihres Beistandes bedurften, waren ihnen gewogen. Wilhelm von Hollandverpfändete ihnen die Reichsdörfer Tribur, Dornberg, Crumstadt und Ginsheim, umdie Mittel zu gewinnen zur Befriedigung seiner Wähler. Anfangs hatte eine Linieder Grasen von Katzenelnbogen ihren Sitz in Dornberg; später verlegten sie denselbennach Darmstadt. Ludwig I. von Katzenelnbogen befestigte Darmstadt und erlangte vonLudwig dem Bayer Stadtrecht für dasselbe (1830). Sämtliche Grafen von Katzeneln-bogen ruhen in der Gruft des Klosters Eberbach im Rheingau.
Wilhelm II., der Mittlere (1471 — 1509), Sohn Ludwigs II., vereinigte nach42jähriger Trennung Nieder- und Oberhessen wieder zu einem Ganzen. Er war eintüchtiger Regent, der sich um das Rechtswesen und die Sicherheit der Straßen großeVerdienste erwarb. Von Kaiser Maximilian wurde er vielfach zu kriegerischen Unter-nehmungen in Anspruch genommen. Zum Dank verlieh ihm dieser das Münzrecht.Die ersten hessischen Goldmünzen tragen das Bildnis der h. Elisabeth.
Philipp der Großmütige (1509—1567) wurde 1504 auf dem Schlosse zuMarburg geboren. Er hatte kaum das fünfte Lebensjahr erreicht, als sein Vaterstarb. Nach mancherlei Streitigkeiten wegen der zu führenden Vormundschaft zwischender hessischen Ritterschaft und seiner Mutter wurde Philipp 1518 nach kaum erlangtem14. Lebensjahr für volljährig und regierungsfähig erklärt. Kaum hatte er die Re-gierung des Landes angetreten, als ihm Franz von Sickingen, das Haupt derfränkischen und schwäbischen Ritterschaft, um nichtiger Ursache willen einen Fehdebriefzusandte. Dem Fehdebriefe folgte unmittelbar der Einmarsch in die obere GrafschaftKatzenelnbogen (das Gerauer Ländchen). Als Sickingen vor Darmstadt erschien, wodie hessische Ritterschaft versammelt war, verzweifelten diese au der Möglichkeit, dem