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Lehrbuch der Geschichte für die oberen Klassen höherer Lehranstalten / von Friedrich Neubauer
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Die ersten Berührungen mit den^Nomern.

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Varus von seinem in der Gegend von Minden stehenden Sommer-lager nach Aliso zurückmarschierte und dabei, um unterwegs einenempörten Stamm zu unterwerfen, die Heerstraße verließ, wurde ervon den Cheruskern und andren Völkerschaften in mooriger Gegend imTeutoburger Walde überfallen und sein Heer, drei Legionen,in mehrtägigem Kampfe vernichtet; er selbst gab sich den Tod, viele Ge-fangene wurden den Göttern geopfert. Zum dritten Male ward jetztTiberius nach Germanien geschickt; aber er begnügte sich dieRheingrenze zu sichern.

§ 4. Germanikus. Ausgang des Arminius und Marbod. DerBataverkrieg. Einige Jahre später nahm Germanikus, desDrusus Sohn, der die acht am Rheine stehenden Legionen, etwa80000 Mann, befehligte, die Politik der Eroberung wieder auf. Nach-dem er eines nach Augustus' Tode ausgebrochenen Militäraufstandesmit Mühe Herr geworden war, führte er die Truppen, um sie zu be-schäftigen, über den Rhein und richtete unter dem Volk der M a r s e rein furchtbares Blutbad an. Im Jahre 15 brach er in das Land derChatten und sodann in das der Cherusker ein. Er entsetzteden Cheruskerfürsten S e g e st e s, der auf die Seite der Rönier ge-treten war und von seinem Schwiegersöhne Arminius belagert wurde,und führte ihn nebst seiner Tochter Thusnelda über den Rhein. Indemselben Jahre drang er mit den Legionen, die teils zur See bis zurEmsmündung befördert wurden, teils zu Lande marschierten, bis anden Ort der Varusschlacht, wo er die Gebeine der Gefallenen beerdigenließ; auf dem Rückwege durch die Sümpfe geriet sein Legat Cäcinadurch den Angriff der Germanen in die größte Gefahr. Im Jahre 16endlich führte Germanikus das ganze Heer zur See in die Ems hinein,marschierte bis zur Weser und besiegte das germanische Aufgebot zuerstbei I d i s i a v i s u s, der Wiese der Jdisjungfrauen, dann an demGrenzwallderÄngrivarier, ohne doch bei der vorgerücktenJahreszeit sich im Lande festsetzen zu können. Auf der Rückfahrt erlitter durch einen Sturm schwere Verluste. Darauf rief ihn der KaiserTiberius, der die Nutzlosigkeit dieser Jeldzüge einsah, ab.

Sobald die Gefahr der römischen Eroberung geringer wurde,entstand Zwietracht unter den Germanen. Zunächst wandten diebeiden machtvollen Persönlichkeiten, die zuerst größere politische Zu-sammenhänge hergestellt hatten, Marbod und Arminius, ihreWaffen gegeneinander: die Schlacht war unentschieden, doch tratMarbod den Rückzug an. Bald darauf wurden beide gestürzt. Marbodwurde durch einen Handstreich des Katwalda, den er selbst einstvertrieben hatte, vom Throne gestoßen und fand eine Zuflucht beiTiberius; Arminius wurde im Jahre 21 durch seine Verwandten

Germanikus

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Marbod undArminius.