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Deutsche Geschichte bis zur Gründung des nationalen Staats 91.9.
Markoman-nenkrieg166 — 180 .
Neue Völker-bildungen.
Die Goten.
sie noch nicht zum Bauernvolk geworden, daß sie in größerem Maß-stabe an die Rodung ihrer Wälder gegangen wären; lieber richtetensie ihr Augenmerk auf die blühenden Fluren jenseit der römischenGrenzen. In noch stärkerem Maße war dies bei den O st -germanen der Fall, bei denen der Ackerbau noch weniger ent-wickelt war und der Boden noch weniger für die zunehmende Be-völkerung genügte, bei denen das Heimatgefühl noch geringer, dieWanderlust noch größer war. Seit dem letzten Drittel des zweitenJahrhunderts beginnen daher wieder die Versuche germanischerVölkerschaften, in das römische Reich einzubrechen; währendzugleich die Zahl derer immer größer wurde, die auf eigene Handüber die Grenze zogen.
Als wesentlichste Ursachen der Völkerwanderung müssen dahereinerseits die Landnot der Germanen, andrerseits die An-ziehungskraft bezeichnet werden, die reiche Kulturländer aufminder kultivierte, aber ihrer Kraft bewußte und kriegstüchtige Völkerausüben mußten und von jeher ausgeübt haben. In zweiter Liniewirkten Bedrängung durch Nachbarvölker, innere Zwistigkeiten undandere Beweggründe mit.
Die erste Periode der Völkerwanderung. 166—375.
§ 22. Durch Wanderungen ostgermanischer Völker vorwärtsgedrängt, versuchten zunächst unter Mark Aurel die in Böhmenund Mähren wohnenden Markomannen und Quaden indas Reich einzudringen. Zeitweise belagerten sie Aquileja, zeiweisedrang der Kaiser weit in ihr eigenes Land ein: nach seinem Todebrach Commodus den Krieg ab.
Einige Jahrzehnte später beginnen neue Kämpfe in den Rhein-landen und am Limes; und zwar finden wir jetzt anstatt der früherenkleinen Völkerschaften größere, wenn auch noch lose zusammenhän-gende Völker: hinter dem Limes die A l a m a n n e n, zu denen nebenanderen suevischen Völkern die Semnonen gehörten; am Niederrheindie F r a n k e n, d. h. die Freien, als deren Nationalwaffe die Fran-ciska, die Doppelaxt, erscheint, vornehmlich istävonische Völkerschaften;an der Nordsee die Sachsen, meist ingävonische Stämme, die denSahs, das Streitmesser, führten. Noch gefährlicher als diese west-germanischen Völker wurden die Goten, die ihre Sitze an derWeichsel verlassen hatten und an der unteren Donau erschienen.
Die Alamannen gewannen in fortwährenden Angriffendas Zehntland; ja sie drangen plündernd und zerstörend weit überden Rhein. Durch Probus, dann Konstantius und Konstantin,