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Lehrbuch der Geschichte für die oberen Klassen höherer Lehranstalten / von Friedrich Neubauer
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Der westfälische Friede und die Folgen des Krieges.

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Rittergut schlugen, beniühten sie sich zugleich mit wachsendem Erfolg,um Arbeitskräfte zu haben, die Bauern an die Scholle zu bindenund die Frondienste zu vermehren. Dazu kam, daß die Steuern,die der Staat bei steigendem Bedarf in erhöhtem Maße brauchte,auch fernerhin vorzugsweise gerade den ärmeren Klassen auferlegtwurden.

Auch der städtische Wohlstand war schwer getroffen;Deutschland war aus dem reichen Lande, das es im sechzehntenJahrhundert gewesen war, ein armes Land geworden. Das früherblühende G e w e r b e lag darnieder und konnte sich, da die Kaufkraft Gewerbe,des Volkes gesunken war, da andererseits englische, holländische undfranzösische Waren in Menge Eingang fanden, nur langsam erholen.

Ebenso schwer hatte der Handel gelitten. Er war zum großen Hmwel.

Teil in der Hand fremder Kaufleute und wurde mit fremdem Geldebetrieben. Die Mündungen der großen deutschen Ströme warenin fremdem Besitz; die der Oder, Elbe und Weser hatten dieSchweden mit Beschlag belegt, die des Rheines war in der Hand derNiederländer, die Weichselmündung gehörte den Polen. Den Besitzdes Sundes, der Pforte zur Ostsee, nutzen die Dänen zur Erhebungdes Sundzolles aus. Der Hansebund war auf die drei StädteHamburg, Bremen und Lübeck beschränkt; die beiden ersteren ge-wannen von jetzt ab als wichtige Einfuhrplätze mehr und mehr einenVorsprung vor Lübeck, dessen Ostseehandel ja zum größten Teil indie Hand der Holländer und Engländer übergegangen war. Inweiten Gebieten des Inneren aber war der einst so lebhafte Verkehrfast erstorben. Neben den Hansestäden waren fast nur Frankfurtam Main, Leipzig und Breslau noch wichtige Verkehrsplätze. Ineiner Zeit, wo Holland, England und Frankreich sich zu Handels-und Kolonialvölkern ersten Ranges entwickelten, wo sie die ertrag-reichsten Gebiete der fremden Erdteile mit Beschlag belegten unddurch eine kluge Handelspolitik ihre Ausfuhr zu möglichster Höhe zusteigern wußten, sah sich das vormals so see- und handelsmächtigeDeutschland nicht nur von dem Wettbewerb um überseeische Gebieteausgeschlossen, sondern mußte mühsam um die ersten Anfänge desWohlstandes ringen.

Aber der große Krieg hat nicht nur einen tiefen Niedergang Sittliche undder deutschen Volkswirtschaft herbeigeführt; in seinem Gefolge habensich auch die sittlichen Z u st ä n d e und Anschauungen vielfachverschlechtert. Die bäuerliche Bevölkerung war im Laufeder Kriegsjahre, in denen bei der Unsicherheit aller Verhältnisse sichgar mancher gewöhnt hatte das Feuerrohr anstatt des Pfluges zuführen, vielfach zu grober Zuchtlosigkeit verwildert; als dann dieNot des Daseins und der Druck der Gutsherren und des Staates