Karls Persönlichkeit u. Lebensweise. Volksbildung. Reich». Kirche. §§27.28. 21
auf Lebenszeit zur Nutznießung, d. i. zum Lehen (dsnekeium, späterti-uäum) trugen und der darauf lastenden Dienstpflicht, meist zu Pferde,genügten. Schon unter Karl Martell entwickelt, bildete sich dies Lehns-wesen je länger je mehr aus, durchdrang alle Verhältniße und Einrich-»tungen und ward geradezu die Grundlage des mittelalterlichen Staates.
27. Karls Persönlichkeit und Lebensweise. Sorge fürdie Volksbildung. Karl maß nach der Schilderung seines ZeitgenossenEin hart siebenmal die Länge seines eigenen Fußes; aus heiterem An-gesicht leuchteten seine großen Augen lebhaft hervor, sein Gang war fest,männlich die Haltung. Einfach wie seine Kleidung war seine Lebensweise.
Im Essen und vornehmlich im Trinken war er mäßig. Von früh anarbeitete er, die Jagd war seine liebste Erholung. Deutsch und Lateinischsprach er gleich gut, auch das Griechische verstand er. Noch im spätenAlter suchte er das Schreiben zu erlernen. Für die Bildung seinerDeutschen war er unablässig bemüht. Er baute Kirchen, errichtete Schulen,förderte den Kirchengesang, sorgte für deutsche Predigt, aber auch für dieSammlung der alten deutschen Heldenlieder. Die Gelehrten erfreuten sichseines besonderen Schutzes, namentlich Alkuin stand ihm nahe. Auch dieKunst fand in ihm einen Gönner. Der Dom und die Pfalz zu Aachenbewiesen, daß die Deutschen anfingen selbst auf diesem Gebiete thätig zusein. Für Erleichterung des Verkehrs sorgte er auf alle Weise, Straßenließ er anlegen, den Main suchte er mit der Donau durch einen Kanalzu verbinden.
tz 28. Reich und Kirche. Zn Karls Seele lebte das Verlangen,eine Gemeinschaft sämtlicher Christenvölker herzustellen. Dies war nichtmöglich ohne engen Anschluß an das Haupt der abendländischen Kirche,den Papst in Rom. Karl der Große nahm sich deshalb, wie die Franken-könige eS von jeher gethan, mit seinem starken weltlichen Arm desselbenan. Als der Papst Leo III., von den unruhigen Römern mißhandeltund vertrieben, hilfeflehend zu ihm nach Paderborn kam, ließ er ihn nachRom zurückführen. Der Papst aber setzte ihm am Weihnachtstage 800 8ÜSin St. Peters Dom die Kaiserkrone aufs Haupt: das römische Kaiser-tum war in Karl wieder erstanden. Der Kaiser galt von nun an als dasweltliche und geistliche Oberhaupt des Reiches, aber dem Papst, den der»Kaiser als einen geistlichen Vater ehrte, gelang es bald als Quell allergeistlichen Ordnung neben dem Kaiser eine gleichberechtigte Stellung zuerlangen. — Noch manches Jahr herrschte Karl der Große über seinReich, das beinahe alle christlichen Völker des Abendlandes und alle ger-manischen, bis auf die Angelsachsen und Normannen, umfaßte. Als ersein Ende nahe fühlte, ernannte er in feierlicher Versammlung zu Aachen »seinen einzigen ihm gebliebenen Sohn, Ludwig, zum Mitkaiser und starbnicht lange nachher in dieser seiner geliebtesten Stadt, wo ihm in demDome, den er erbaut, die kaiserliche Gruft bereitet wurde (814).