Innerer Zustand des Reiches. § 63.
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, Dritte Periode.
Dom großen Interregnum bis zur Reformation, von1264—1517. Zerfall des Reiches, Bildung derösterreichischen Großmacht.
Deutsche Wirtten- und Ländergeschichte.
8 63. Innerer Zustand des Reiches. Nachdem der „Pfaffen-könig" Wilhelm von Holland (§ S9), den der Papst selbst „unserPflänzlein" nannte, im Kampfe gegen die Friesen rühmlos umgekommenwar, hatten die mächtigen Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln,die meist den Haupteinfluß bei den Wahlen hatten, aber oft untersich selbst uneinig waren, die Krone gar um Geld und Verheißungen anFremde verkauft. So wurden ein Bruder des englischen Könias. Richardvon Cornwallis, und der Koma stIkons von Ca stillen, -aleich-zeitig gewählt. Don ihnen kam Alfons nie nach Deutschland. Richardkam einigemal. Ansehen hatte er aber nur so lange, als er Geld undGüter zu verschenken hatte. Inzwischen aber vollzog sich die Zersetzungdes alten Reiches, die sich freilich schon lange vorbereitet hatte, in eineMenge kleiner Einzelgewalten. Da waren Herzöge, d. h. Herren übergrößere Gebiete, die aber an die früheren Stammesherzöge nur durchihren Namen erinnern. Da waren zahlreiche Grafen, Landgrafen,Markgrafen, Pfalzgrafen, Fürsten, von denen die mächtigsten nachdem Titel eines Herzogs strebten und ihn allmählich auch errangen,ferner freie Reichsritter, die auf ihren oft sehr kleinen Gebieten nurden Kaiser als Herrn über sich anerkannten. Zu diesen kamen die freienReichsstädte, damals schon über 60, die ebenfalls ihre eigene Regierunghatten; und endlich die geistlichen Herren, die Erzbischöfe, Bischöfe,
Äbte, Ordensmeister. Sie alle nahmen für ihre zum Teil recht kleinen»
Gebiete (Territorien) das Fehderecht in Anspruch, und so war Deutschland
ein Sitz der Verwirrung, denn meist war das Fehderecht nur der Vorwand
zu räuberischen Einfällen ins Nachbargebiet. Die Ritter lebten vielfach»
von „Stegreif". Wohl straften tüchtige Kaiser und Landesfürsten oder
mächtige Städte solche Raubritter mit dem Strang auf den Trümmern
ihrer gebrochenen Festen; aber so lange kein mächtiger Arm durch das
ganze Reich Ordnung schaffte, wandte sich der heruntergekommene Adel
immer wieder dieser letzten Erwerbsquelle zu. Das war „die kaiserlose,
die schreckliche Zeit" des Zwischenreichs, des^rUerr^Fnums, in der 1254-I27A^
Deutschland hätte untergehen müssen, wären die ZuständT" m?en Nach-