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Leitfaden zur Geschichte des deutschen Volkes / von David Müller
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68
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68 Nürnberger Religionsfrd. Lutherische Landeskirchen. Zwingli. §§ 100103.

nand, dem erwählten römischen König, die Anerkennung der Protestantenzu verschaffen, machten ihn nachgiebiger. Es wurde der Nürnberger1532 Religionsfriede geschlossen, und wirklich kam, da so die innere Einig-keit in Deutschland wieder hergestellt war, diesmal ein so stattlichesReichsheer zusammen, daß Soliman einen abermaligen Angriff auf Wiennicht wagte.

tz 101. Gründung der lutherischen Landeskirchen. Karl V.verließ bald nachher Deutschland auf lange Zeit, und die Reformationkonnte sich von nun an ein Jahrzehnt hindurch ungestört ausbreiten.Die weltlichen Fürsten, die sich ihr zuwandten, traten in ihren Terri-torien in die Stelle der ehemaligen Bischöfe, ließen die Kirchenvisi-tieren" und gründeten Pfarrstellen und Schulen. Die Mittel dazu gabdas eingezogene Kirchengut, das in die fürstlichen Kassen geflossen war.So wuchsen die Landesfürsten an Unabhängigkeit und Macht; denn auchdenen, die römisch-katholisch blieben, mußten Papst und Kaiser ähnlicheVorteile zuwenden, um sie bei dem alten Glauben festzuhalten. Andie geistlichen Fürsten trat eine große Versuchung dadurch heran, daßdie Möglichkeit gegeben war, sich zu weltlichen Fürsten zu machen, sichzu verheiraten und die Gebiete, die sie im Namen der Kirche regierten,in erbliche Fürstentümer umzuwandeln (sie zu säkularisieren). Daserste Beispiel hatte 1525 Albrecht von Brandenburg, Hochmeister desdeutschen Ordens, gegeben, der das Ordensland (Ost-) Preußen zueinem Herzogtum unter polnischer Oberlehnshoheit (K 80) gemacht hatte.Erzbischöfe von Mainz und Köln versuchten später Ähnliches, aber ohneErfolg.

/ / tz 102. Ulrich Zwingli in der Schweiz. Auch außerhalbDeutschlands schritten Fürsten und Völker zu einer Reformation der

' Kirche. In der Schweiz predigte fast von derselben Zeit an, wo Lutheraufgetreten war, Ulrich Zwingli in Zürich. Die bedeutendsten Städte,Basel, Bern und fast alle Kantone, ausgenommen die UrkantoneSchwyz, Uri, Unterwalden und Luzern, schloffen sich der refor-mierten Lehre an. Bald entstand Zwistigkeit, es kam zum Bürgerkriege.Die Bewohner der Waldorte fielen aus ihren Gebirgen aus und lie-ferten den Zürichern bei Kappel 1531 eine Schlacht, in der diesebesiegt und Zwingli selbst, der als Feldprediger mit ausgezogen war,erschlagen wurde. Ein Friede, der bald nachher zustande kam, befestigtein dem alten Teile der Schweiz den römisch-katholischen Glauben, wäh-rend die neueren Teile derselben meist die Reformation durchführten.Eine konfessionelle Scheidung wie in Deutschland ging nunmehr auchdurch die Schweiz.

§ 103. Calvins Lehre und ihre Verbreitung. Wenige Jahre1536 nachher begann in Genf der Franzose Jean Cauvin (Calvin) seinePredigt. Er war in den Hauptpunkten der Lehre mit Luther und Zwingli