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Leitfaden zur Geschichte des deutschen Volkes / von David Müller
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89
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Die Fürsten. Brandenburg vor den Hohenzollern. §§ 138. 139. 89

der weltlichen Fürsten, die der Mehrzahl nach evangelisch waren.»

Auch an vielen von ihnen war der grotze Krieg nicht spurlos vorüberge-gangen. Vorher meist frei von fremden Einflüssen, hatten viele Fürstenin dem langen Kriege unter dem Drucke allgewaltiger Söldnerführer undihrer Horden ihren Stolz verloren. Um im Frieden Entschädigungen zuerhalten, hatten sie vor Fremden kriechen und schmeicheln gelernt. Undsie lernten nach dem westfälischen Frieden in Paris das Musterbild einesFürstenhofes sehen und äfften nach, was dort geschah.

Ein Glück, daß gerade der evangelische Staat, der durch seine Lageund Gestaltung, durch die Ausdehnung seiner Länder vom fernsten Ostenbis zum äußersten Westen Deutschlands, dazu berufen war, das neuedeutsche Reich zu gründen, am Ausgange des großen Krieges von einemFürsten regiert wurde, der weit über seine Standesgenossen emporragte.

Er und seine Nachkommen haben Brandenburg-Preußen für seineAufgabe herangebildet.

tz 139. Vorgeschichte des brandenburgischeu Staates.

Brandenburg vor den Hohenzolleru. Die alten branden-burgischen Marken (die Altmark, westlich von der Elbe, nördlichvon Magdeburg; die Priegnitz, zwischen der Elbe im Westen undMecklenburg im Osten; die Mittelmark, zwischen der unteren Havelund der Oder; die Uckermark, im Westen von Mecklenburg, im Ostenvon der Oder begrenzt; die Neumark, östlich von der Oder) erwuchsenaus den Ansiedlungen, welche die Deutschen zuerst unter den sächsischenKönigen Heinrich I. und Otto I., dann unter Lothar dem Sachsenund Friedrich Barbarossa im Wendenlande vornahmen. AlsGründer des brandenburgischen Staates muß der Markgraf Albrecht 11341170der Bär angesehen werden (tzK 50. 52). Von der Nord mark (Alt-mark) aus, die ihm der Kaiser Lothar verliehen hatte, unterwarf er diePriegnitz und Teile der Mittelmark, er nannte sich zuerst nach derStadt, die er wieder besetzt hatte, Markgraf von Brandenburg. SeineNachkommen, die Askanier (11701320), erweiterten die Marken undmachten das ungastliche von Wald und Moor bedeckte Land urbar, indemsie in den Marken aus allen deutschen Stämmen, bis aus Flandern undden Niederlanden her, Ansiedler zogen, die hier in der Arbeit des Acker-baues wie in strenger kriegerischer Zucht zu einem besonders kräftigen,echt deutschen Stamme verschmolzen.)s^Dem Reiche war das mächtige undglänzende Geschlecht der Askanier stets getreu. Die Brüder Johann I.und Otto III. (um 1250), wie später Waldemar (s 1319) gehörtenzu den gewaltigsten deutschen Fürsten ihrer Zeit. Nach Erlöschen derLinie (1320) zog Kaiser Ludwig der Bayer die Marken als erledigtesReichslehen ein und gab sie 1324 seinem Sohne Ludwig dem Älteren.

Nun kamen schwere Zeiten über diese Lande. Die Nachbarn verwüstetensie mit ihren Einfällen, und im Innern erstarkte die Ritterschaft zu einer