König Friedrichs I. Ausgang. Friedrich Wilhelm I. §§ 161. 162. 103
dann geleitet von dem Kardinal Fleury, der das Ansehen Frankreichswieder zu heben begann.
161. König Friedrichs I. Ansgang. Seine VerdiensteNM Kunst und Wissenschaft. Der erste König in Preußen, Friedrich I.,hatte das Ende des spanischen Erbfolgekrieges nicht mehr erlebt, im Fe-bruar 1713 war er gestorben. Seine Prunksucht, seine Nachsicht undSchwäche gegen unwürdige Günstlinge, dazu Seuchen und Hungersnot,die in den letzten Jahren seiner Regierung in Preußen wüteten, hattendem Lande schwere Wunden geschlagen, und doch schuldet ihm sein Volkgroßen Dank nicht bloß darum, weil er die Königskrone gewonnen,sondern weil er im Verein mit seiner Gemahlin Sophie CharlotteKunst und Wissenschaft gehoben hat. An der von ihm gegründeten Uni-versität Halle wirkten August Hermann Franke, der fromme Stifterdes Hallenser Waisenhauses, und Christian Thomasius, der Bekämpferder Folter und der Hexenprozesse, der erste Universitätslehrer, der indeutscher Sprache lehrte. Präsident der in Berlin gegründeten Akademieder Wissenschaften ward der große Leibniz; Samuel Pufendorf schriebdes großen Kurfürsten Geschichte, und Andreas Schlüter, Baumeisterund Bildhauer zugleich, schuf außer den Masken der sterbenden Kriegerim Zeughause (der jetzigen Ruhmeshalle) das stolze, großartige Reiter-standbild des großen Kurfürsten, des Gründers des brandenbur-gischen Staates, für die damals aus Stein erbaute „lange Brücke".
8 162. Die Anfänge Friedrich Wilhelms 1. in Preuße».
1. Freilich die Aufwendungen, die Friedrich I. für seine Bauten und ihreAusschmückung, wie für die Wissenschaften machte, überstiegen die Kräftedes Landes. Es war also ein Glück für den Staat, daß sein Sohn undNachfolger Friedrich Wilhelm I. die Bahnen des Vaters verließ. Er 1713— 1740war eine echt deutsche, schlichte und gerade Natur, ohne falschen Schein,auf das Nützliche und Wesentliche gerichtet, religiös und sittlich in seinemhäuslichen Leben, soldatisch, unermüdlich thätig und streng gegen sich selbst.
Er allein fast unter den Fürsten seiner Zeit hielt sich frei von dem ver-derblichen Beispiele des Versailler Hofes, den Ausschweifungen, Verschwen-dungen und der Prunksucht, die als ein neues Unheil nach den Ver-wüstungen des dreißigjährigen Krieges über die Länder Deutschlands ge-kommen waren. Von ihm hebt das Wiedereinlenken deutscher Fürsten aufverständige, sittlich tüchtige Bahnen an.
2. Die Beendigung des spanischen Erbfolgekrieges machte es Preußenmöglich, an dem nordischen Kriege sich zu beteiligen. Die preußischenWaffen waren auch hier siegreich. Nachdem Karl XII. vor der FestungFriedrichshald in Norwegen 1718 sein plötzliches Ende gefunden hatte, er-hielt Friedrich Wilhelm I., im Frieden von Stockholm (1720), was schonseinem Großvater gebührt hätte, Stettin und Vorpommern bis zurPeene. (Stralsund nebst Rügen ist noch schwedisch geblieben bis 1814.)