126 Napoleons Weltmacht. Span. Krieg. Preußens Wiedergeburt. §§200-202.
dauernde Freundschaft geschlossen zu haben schien, gab Napoleon freieHand gegen Schweden, dem nun Finnland entrissen wurde, und schein-bar auch gegen die Türkei, ohne daß es ihm Ernst war, Rußland diePläne Katharinas II. ausführen zu lassen.
tz 200. Napoleons Weltmacht. Noch von Berlin aus hatteNapoleon gegen England die sogenannte Kontinentalsperre verfügt,d. h. die Ausschließung aller englischen Stoffe und Waren von den Häfendes Festlandes, soweit dies unter französischem Einfluß stand. DieserMaßregel, die den Handel und Wohlstand und damit auch die MachtEnglands Brechen sollte, schloß sich auch Rußland an. Um so rücksichts-loser brauchte Großbritannien seine Herrschaft auf dem Meere. Napoleonkonnte das nicht hindern (§ 192), auf dem Festlande Europas aber geboter fast unumschränkt. Die Glieder seiner Familie beschenkte er mitKronen oder verschwägerte sie doch mit alten Fürstengeschlechtern Europas.In Neapel hatte er die Bourbonen für abgesetzt erklärt und seinenälteren Bruder Joseph zum Könige gemacht, in den Niederlandeneinen anderen Bruder, Louis Napoleon; in Berg seinen SchwagerMurat zum Großherzog; in Italien seinen Stiefsohn Eugen Beau-harnais zum Vicekönig. Als Napoleon (1808) mit Kaiser Alexandersich zu Erfurt in einer glänzenden Zusammenkunft über die GestaltungEuropas geeint hatte, da schien seine Macht für alle Zeiten gesichert.
tz 201. Der spanische Krieg. Es war Napoleons eigene un-ersättliche, maßlose Herrschsucht, die ihn stürzte. Die Bourbonen inSpanien hatte er durch List und Drohungen zur Abdankung gebrachtund seinen Bruder Joseph auf den spanischen Thron erhoben, währender Murat auf den neapolitanischen nachrücken ließ. Doch die stolzenSpanier empörten sich gegen den König, den der fremde Eroberer ihnenaufgezwungen hatte. Und hier verließ den Kaiser Napoleon sein Glück.Seine großen, sieggekrönten Heere vermochten gegen die spanischen Guerilla-scharen (d. i. kleine Kriegsbanden) in dem gebirgigen Lande nichts auszu-richten. Der spanische Krieg brachte ihm seit dem Jahre 1808 stetswachsende Verluste. Aus Portugal, dessen Widerstand die Engländerunterstützten, mußten die Franzosen weichen. Diese Erfolge, vornehmlichdas in Spanien gegebene Beispiel eines glücklichen Volkskampfes hobauch in Deutschland die Gemüter zu neuen Hoffnungen.
tz 202. Preußens Wiedergeburt. Stei«. Scharnhorst.
1. Nirgends war das mehr der Fall als in dem tiefgebeugten Preußen,in dem die Erinnerung an den großen Friedrich die gegenwärtigeDemütigung um so schmerzlicher fühlen ließ. Friedrich Wilhelm III.und seine Gemahlin Luise gingen mit dem edlen Vorbilde christlicherErgebung, sittlicher Fassung, strenger Sparsamkeit und Entsagung voran.An die Spitze des Staates hatte der König den besten deutschen Mann, der
1807—1808damals zu finden war, den Freiherrn vom Stein, berufen, der in dem