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Preußens Lage. Der russische Feldzug. Z§ 205. 206.
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der Türkei arbeitete Napoleon den Wünschen Rußlands entgegen, mSchweden schien nach Gustavs IV. Entthronung mit dem früheren fran-zösischen Marschall Bernadotte ebenfalls ein Geschöpf Napoleons aufden Thron zu kommen.*) Ein Krieg zwischen Rußland und Frankreichbereitete sich vor.
2. Napoleon konnte dabei auf die Mitwirkung Österreichs rechnen,das die Ausdehnung der russischen Macht mit Besorgnis sah. Nichtso auch auf die Preußens. Friedrich Wilhelm III., dem in dieser1810 Unglückszeit auch noch seine geliebte Gemahlin Luise 1810 durch den Todentrissen worden war, sah in Kaiser Alexander, der ihm mit unveränder-ter Freundschaft zugethan geblieben, seine letzte Zuflucht vor der völli-gen Vernichtung. Der kluge Staatskanzler Hardenberg, der seit 1810die Geschäfte leitete, ging auf Steins Wegen weiter, führte die Ge-werbefreiheit durch, löste die Fronden der Bauern ab und machtesie damit zu wirklichen Eigentümern von Grund und Boden, verliehden Juden die staatsbürgerlichen Rechte und besserte die Lage des Ge-sindes, während er Napoleons Schuldforderungen durch eine allgemeinegleiche Besteuerung der Unterthanen zu befriedigen wußte. Jndesse«bildete Scharnhorst das Heer allmählich zu neuer Kriegstüchtigkeit HeroenDadurch, daß er stets (wie Napoleon vorgeschrieben) nicht mehr als42000 Mann unter den Waffen hatte, diese aber sofort beurlaubte, sobaldsie einexerziert waren („Krümper"), und dann eine andere gleiche Zahlzu den Fahnen rief, hatte er es allmählich dahin gebracht, daß thatsächlich120000 Mann bereit waren; alle Festungen waren im besten Stand und,was die Hauptsache war, die Geister waren eines Befreiungskampfes ge-wärtig. Daß Preußen im Bunde mit Rußland gegen Napoleon los-schlagen würde, war aller Hoffnung. Aber Napoleon hielt Preußen vomHerzogtum Warschau, von Magdeburg und Hamburg aus zwischen dreiHeeren umklammert und dachte es zu vernichten, wenn es im bevor-stehenden Kampfe sich nicht auf seine Seite stellte. Alexander antworteteauf die vertrauliche Anfrage Friedrich Wilhelms, daß er bei ausbrechen-dem Kriege Preußen nicht werde beschützen können, so mußten sich zuletztFriedrich Wilhelm und Hardenberg, wenn auch mit schwerem Herzen,entschließen mit Napoleon gegen Rußland sich zu verbinden. Preußenwurde nun die Durchmarschstraße für die große Armee, die Napoleongegen Rußland in Bewegung setzte. Seine Festungen, seine Armee, dieletzten Mittel des Landbaues und des Wohlstandes wurden in NapoleonsHand gegeben.
1812 8 206. Der russische Feldzug, 1812. 1 . Und nun ergossen sich
die Heere von den Pyrenäen und dem Mittelmeere, von den Alpen und
') Bernadotte hieß „Kronprinz" von Schweden, da noch ein Scheinkönig,Karl XIII., auf dem Throne saß.
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