Der russische Feldzug. K 206.
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der Nord- und Ostsee her, an 600000 M. auf das Machtgebot des Im-perators über Deutschland gegen Rußland. Österreich stellte unter FürstSchwarzenberg ein selbständiges Hilfscorps von 30000 M., das vonGalizien in das südliche Rußland vorzudringen hatte; Preußen 20000 M.,die als ein Teil der Armee des französischen Marschalls Macdonald ihrenMarsch nördlich in die russischen Ostseeprovinzen nehmen sollten. DasHauptheer, Franzosen, Rheinbündner, Italiener, Polen, führte der Kaiserselbst in das Herz Rußlands hinein. Nachdem er in Dresden um sichund seine Gemahlin Marie Luise, die ihm ein Jahr zuvor einen Erbenseines Reiches, den „König von Rom", geboren, die unterworfenenHerrscher Europas versammelt hatte und zum letzten Mal in seinemRuhm und seiner Allmacht sich gesonnt, eilte er seinen Truppen durchOstpreußen nach und rückte mit ihnen über die russische Grenze. _
2. Doch hier waren nicht die reichen Dörfer und fruchtbaren Gefilde,wie sie die Franzosen bei ihren früheren Kriegen in Italien und Deutsch-land gefunden hatten, sondern öde Kiefernwälder und wenig bevölkerte,einförmige Ebenen. Anhaltenden Regengüssen folgte brennende Sonnen-glut. Das Heer litt, trotz der ungeheuersten Vorbereitungen, bei derSchnelle des Vormarsches bald empfindlichen Mangel, Zucht und Ord-nung begannen sich zu lösen. Die Russen wichen, ohne eine Schlacht zuwagen, weiter und weiter in das wüste Innere ihres unermeßlichenLandes zurück. Napoleon folgte. Smolensk fiel in seine Hand. Mitwilder Hast drang er weiter auf die alte heilige Hauptstadt des Landes,auf Moskau, gleich als hinge an ihrer Einnahme der Sieg, da stelltensich ihm die Russen unter Kutusow an der Moskwa zur Schlacht. Eswar ein furchtbares Ringen, aber die Russen mußten endlich doch weichen.Mit noch etwa 100000 M. geordneter Truppen rückte Napoleon am14. September in Moskau ein. Er glaubte sich am Ziele seiner Wünsche.
Aber er fand die Stadt von ihren Bewohnern verlassen. Und kaumdaß die Franzosen sich in die leeren Häuser einquartiert hatten, so stiegenüberall die Feuersäulen empor. Der Gouverneur von Moskau, Rosto fi-sch in, hatte alles zur Zerstörung vorbereiten lassen, und von ungesehenenHänden geschürt, verbreitete sich der Brand von Moskau. Napoleonmußte aus dem Kreml fliehen und lagerte mit seinem Heere, jetzt, wo derSpätherbst schon die Beschwerden des Winters ahnen ließ, vor der ein-geäscherten Hauptstadt. Er hoffte auf Friedensanerbietungen von St.Petersburg: als sie nicht kamen, ließ er seine eigenen dorthin ergehen.So verlor er einen kostbaren Monat.
3. In St. Petersburg war in Alexanders Umgebung der deutscheMann, dem unablässiger Kampf gegen den Unterdrücker Deutschlands undEuropas Lebensaufgabe war — der Freiherr vom Stein (§ 202), der,von Napoleon 1808 verbannt und geächtet, zuerst nach Österreich, dann1812 nach Rußland gegangen war. Daß Alexander trotz kleinmütiger