1. Ägypten.
Herodot, II. 3, 5, 14. 19, 97, 28, 35—41, 47, 65—67, 69, 77—81, 84ff.Bearbeitet nach J. Chr. F. Bähr, K. Abicht und Lange-Güthling.
Land und Volk. Ich habe in Memphis, als ich mit denPriestern des Hephästos *) eine Unterredung hatte, manchesgehört und bin dann nach Theben und Heliopolis gewandert,um zu vernehmen, ob die Erzählungen jener Priester mit dem,was ich in Memphis gehört hatte, übereinstimmen würden; denndie Heliopoliten gelten als die erfahrensten Geschichtskennerunter allen Ägyptern. Was sie mir über das Land sagten,schien mir ganz richtig zu sein. Ist es doch für jeden Beob-achter klar, daß jenes Ägypten, wohin die Hellenen schiffen**),ein neugewonnenes Land und ein GeschenkdesFlusses ist.
Die Ägypter bringen die Früchte ihres Bodens mit vielgeringerer Mühe ein als alle anderen Völker. Sie brauchen nichtmühsam mit dem Pfluge Furchen zu ziehen oder zu hacken,noch sonst Feldarbeit zu tun, womit sich die Menschen ander-wärts wegen der Saat quälen, sondern der Fluß kommt vonselber auf ihre Äcker und bewässert sie und zieht sich nach-her wieder zurück. Dann besät ein jeglicher sein Feld undtreibt die Schweine darauf, welche die Körner eintreten; hieraufWartet er die Erntezeit ab, läßt die Ähren von den Schweinen
*) 'So nennt Herodot den ägyptischen Gott ,,Ptah“, der als Welt-schöpfer verehrt wurde. Seine Priester bildeten den Gelehrtenstandin Ägypten.
**) Das Delta.