Band 
Erster Teil.
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austreten und bringt also das Korn ein. Der Nil verbreitetsich, wenn er anschwillt, nicht allein über das Delta, sondernauch über einen Teil des libyschen und arabischen Landes,manchmal bis zu einer Strecke von zwei Tagereisen auf beidenSeiten, bald mehr, bald weniger. Über des Flusses Art aberkonnte ich weder von den Priestern noch von sonst jemand etwaserkunden. Ich hätte gern von ihnen erfahren, warum der Flußvon der Sommersonnenwende an gegen hundert Tage steigt,dann wieder zurücktritt und in seiner Wassermenge also ab-nimmt, daß er den ganzen Winter hindurch niedrig bleibt biswieder zur Sommersonnenwende. Wenn der Nil über das Landtritt, so sieht man nur die Städte aus dem Wasser hervorragen,ähnlich den Inseln im ägäischen Meer. Dann fährt man mitden Kähnen nicht mehr in dem Bette des Flusses, sondern mit-ten durch die Ebene; schifft man aufwärts von Naukratis nachMemphis, so kommt man hart an den Pyramiden vorbei. Vondes Niles Quellen vermaß sich keiner etwas zu wissen, wedervon den Ägyptern, noch von den Libyern, noch von den Helle-nen, mit denen ich darüber ins Gespräch kam.

Wie der Himmel der Ägypter fremder Art ist und wie ihrFluß eine ganz andere Natur hat als die übrigen Flüsse, so sindsie selbst in ihren Sitten und Gebräuchen gerade umge-kehrt wie alle andern Völker. Bei ihnen gehen die Weiber aufden Markt und treiben Handel, während die Männer daheimsitzen und weben. Die Lasten tragen die Männer auf dem Kopfe,die Frauen auf den Schultern. Kein Weib versieht Priester-dienste weder bei einem Gott noch bei einer Göttin, sondernnur Männer. Die Söhne brauchen ihre Eltern nicht zu erhal-ten; die Töchter aber müssen dies tun, selbst wenn sie nichtwollen. Die Priester der Götter tragen anderwärts langes Haar,in Ägypten schneiden sie es ab; bei andern Menschen ist esBrauch, daß bei der Trauer die nächsten Angehörigen das Haarscheren, die Ägypter aber lassen bei Todesfällen Haupt undBarthaare wachsen, -die sie bis dahin geschoren hatten. Anders-wo leben Menschen und Vieh gesondert, in Ägypten zusammen.Den Ägyptern gereicht es zur Schande, von Weizen und Gerstezu leben; sie bereiten ihr Brot aus Dinkel, von einigen Speltgenannt; den Teig kneten sie mit den Füßen und den Lehmmit -den Händen; so nehmen sie auch den Mist mit der Hand