Band 
Erster Teil.
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ser Krankheit zu widerstehen; sie raffte alle ohne Unterschieddahin, nach welcher Heilart man sie auch behandelte. DasSchlimmste bei dem ganzen Unglück war aber die Mutlosigkeit,der sich die Leute überließen, sobald sie merkten, daß siekrank wurden. Denn dann gaben sie sogleich alle Hoffnungverloren und gingen eben .deswegen noch weit unvorsichtigermit sich um, ohne sich Mühe zu geben, der Krankheit Widerstandzu leisten. Einer wurde durch die Pflege des andern angesteckt,und so starben sie hinweg wie die Schafe. Dies verursachteden stärksten Menschenverlust. Denn wollte man aus Furchtnicht zueinander gehen, so starben die Leute von allem Beistandentblößt, wie denn viele Häuser aus Mangel an Wärtern ganzausstarben Wer sich aber den Kranken näherte, war verloren,besonders solche, die sich vor andern dienstfertig erweisen woll-ten, indem sie aus Ehrgefühl die Gefahr nicht achteten und beiihren Freunden aus- und eingingen, weil das Winseln und Weh-klagen der Sterbenden zuletzt auch ihren eigenen Hausgenossenunerträglich fiel und diese der Last des Übels erlagen. Dasmeiste Mitleid mit den Sterbenden und Kranken bewiesen nochdie Genesenen, weil sie das Übel aus Erfahrung kannten undsich selbst bereits in Sicherheit wußten; denn ein tödlicherRückfall trat nicht ein. Diese wurden nicht allein von den andernglücklich gepriesen, sondern auch sie selbst hegten in ihreraugenblicklichen Freude für die Zukunft die leise Hoffnung,daß nicht leicht eine andere Krankheit sie hinraffen werde.

Eine der größten Beschwerden der Einwohner bei diesemUnglück war aber der große Zufluß von Leuten vom Landein die Stadt, und nicht weniger litten dadurch die Ankömmlingeselbst. Denn da die Häuser für sie nicht hinreichten, sie sichvielmehr zur Sommerszeit in dumpfigen Hütten aufhalten muß-ten, so starb alles durcheinander weg. Sterbende lagen über-einander, und so blieben die Leichname liegen. Andere wälztensich halbtot auf den Straßen und bei allen Brunnen herum,in der Begierde, ihren Durst zu löschen. Die Tempel, in denensie ein Unterkommen gesucht hatten, waren gefüllt mit Lei-chen, da sie an heiliger Stelle dahin starben. Denn ganz über-wältigt von dem Elend wußten die Menschen nicht, was da nochwerden sollte, und fingen an, sich um göttliche wie um mensch-liche Dinge nicht mehr zu kümmern. Alle gesetzlichen Ge-