Band 
Erster Teil.
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brauche, die man früher bei Begräbnissen beobachtet hatte,wurden vernachlässigt, und jeder begrub seine Toten wie ereben konnte. Viele wurden aus Mangel an der nötigen Zubehör,da ihnen schon zu viele gestorben waren, so schamlos, daß sieihre Toten auf fremde Scheiterhaufen legten und diese in Brandsteckten, ehe noch die dazu kommen konnten, welche sie auf-gerichtet hatten; andere warfen ihren mitgebrachten Toten aufden ersten besten Scheiterhaufen, der bereits im Brande stand,und machten sich davon.

Die Seuche gab auch sonst noch zu weiterer Gesetzlosig-keit in der Stadt die erste Veranlassung. Denn ungescheuterwagte man nun, wa§ man sonst, ohne sein Gelüste offen zubefriedigen, verheimlicht hatte, da man den raschen Wechsel desSchicksals sah: wie die Reichen plötzlich hinstarben, und solche,die zuvor nichts hatten, schnell in den Besitz ihrer Güter kamen.Daher wollte man dieselben so geschwind und so angenehmals möglich genießen, da Leben und Vermögen, das eine wiedas andere, ihnen als so schnell vergänglich erschien. Undkeiner war geneigt, um des Guten und Rühmlichen willen sicheiner Mühe zu unterziehen, da er es für ungewiß hielt, ob ernicht dahingerafft würde, bevor er sein Ziel erreicht habe.Was aber schon an sich selbst angenehm war oder irgendwie demGenuß förderlich schien, das galt auch für schön und nützlich.Keine Furcht vor den Göttern, kein menschliches Gesetz stellteda eine Schranke. Denn ob man jene ehre oder nicht, hielt manfür gleichgültig, weil man doch alles ohne Unterschied eineBeute des Todes werden sah, und keiner hoffte so lange zu’eben, bis er wegen seiner bürgerlichen Verbrechen vor Gerichtgestellt und bestraft würde; vielmehr sah er eine bereits fest-verhängte und viel größere Strafe über seinem Haupte schwe-ben, vor deren Ausbruch man billig das Leben noch einiger-maßen genießen dürfe.

In solchem Elend lebten die bedrängten Athener: in der Stadtstarben die Menschen dahin, und draußen wurde ihnen das Landverwüstet. In dieser Not erinnerten sich auch, wie man leichtdenken kann, die älteren Leute des Wahrspruchs, der vor Zei-ten gesungen wrnrden sein soll:

Kommen wird einst ein dorischer Krieg und mit ihm die Seuche.