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die Unwissendsten trifft. Ist es dir daher um Ruhm und Bewun-derung im politischen Leben zu tun, so laß dir vor allem ange-legen sein, in dem gewählten Berufe dir die nötige Einsicht zuverschaffen. So du mit wirklicher Überlegenheit an die Staats-geschäfte herantrittst, sollte mich’s wundern, wenn es dir nichteine Kleinigkeit ist, deine Wünsche zu befriedigen.
31. Xenophons Verteidigung des Sokrates.
Xenophon, Erinnerungen an Sokrates, I, lf. Nach Einckh und Zeising.
Oft schon sann ich verwundert darüber nach, durch welcheGründe doch die .Ankläger des Sokrates die Athener zu derÜberzeugung bringen konnten, er habe sich des Todes von Staatswegen schuldig gemacht. Die gegen ihn erhobene Anklage lautetenämlich etwa so: „Sokrates handelt gesetzwidrig, einmal da-durch, daß er die vom Staat anerkannten Götter nicht aner-kennt und dafür andere fremdartige Gottheiten einführt; so-dann aber auch dadurch, daß er die Jünglinge zum Bösenverführt.“ 1
Was nun den ersten Punkt betrifft — was in aller Weltmag ihnen dafür zum Beweismittel gedient haben? Opferte erdoch, wie bekannt, oft genug teils zu Hause, teils auf den öffent-lichen Altären der Stadt; auch war es kein Geheimnis, daß ervon der Wahrsagekunst Gebrauch machte. Allgemein hieß esja, Sokrates behaupte, die Gottheit gebe ihm Andeutungen; undhauptsächlich hierauf scheint sich die Beschuldigung gegrün-det zu haben, daß er Neuerungen in göttlichen Dingen aufbringe.Allein er brachte damit so wenig Neues auf, wie jeder andere,der sich im guten Glauben an die Weissagekunst durch pro-phetische Vögel, heilige Stimmen und bedeutungsvolle Begeg-nungen und Opfer leiten läßt. Denn gerade wie diese annahmen,daß nicht die Vögel noch die ihnen Begegnenden das dem Fra-genden Zuträgliche wissen, sondern daß es die Götter durchdiese offenbaren, ebenso dachte auch Sokrates hierüber. Nurdrücken sich die meisten so aus, als ob sie von den Vögelnund Begegnenden Mahnungen oder Warnungen empfingen. Sokra-tes aber sprach ganz so, wie er dachte: Die Gottheit lasse ihmdie Andeutungen zugehen. Und vielen seiner Freunde riet er,